NEWSLETTER 2/2018

Ausflugstipp

Wanderung zu den Eisfällen bei Brtníky

Die Wälder südlich des Ortes Brtníky verbergen einen Schatz. Dieser glitzert aber nicht goldig, sondern funkelnd kristallklar und ist nur bei geeigneten Bedingungen zu sehen – an frostigen Tagen oder danach. Es ist die Rede über zahlreiche gefrorene Wasserfälle – Eisfälle, die sich auf Sandsteinfelsen bilden und den Wanderern eine atemraubende Ansicht bereiten. Besuchen Sie diese Naturwunder und genießen Sie die endlose Phantasie des Architekten Namens Natur.

Unseren Ausflug beginnen wir im malerischen Gebirgsdorf Brtníky, das 8 km westlich vom Rumburk – im Naturschutzgebiet Elbsandsteine. Man kann Brtníky mit Bus erreichen (Haltestelle ,,Staré Křečany, Brtníky, náměstí“), mit dem Zug (Haltestelle ,,Brtníky“ liegt 0,5 km vom Ausgangspunkt entfernt) oder mit eigenem Wagen. Den Wagen kann man in der Dorfmitte parken, bei der Wanderwegkreuzung ,,Brtníky“, wo unsere Wanderung beginnt. Gleich bei der Kreuzung steht ein Denkmal der Opfer des ersten Weltkrieges und ein Paar Meter westlich davon eine historische Winterlinde. Von der Kreuzung folgen wir den grün markierten Wanderweg Richtung Süden. Nach 0,5 km mäßiger Steigerung kommen wir zur Kreuzung ,,Nad Brtníky“. Hier genießen wir die schöne rundliche Aussicht – unter anderen sehen wir den nahen Bazaltberg Vlčí hora (581 m) mit Aussichtsturm und folgen die grüne Markierung (und gleichzeitig den blauweiß markierten Rundgang Brtníky) weiter nach Südwesten. Bald betreten wir den Wald und nach 1 km kommen wir zur Kreuzung ,,Šternberk“. Hier sehen wir unter anderen eine Quelle, oder eher ein Brunnen, der unweit des Weges liegt. Er ist aus Sandsteinblöcke gebaut und hat eine schöne gewölbte Decke. Den Eingang schützt ein Eisengitter. An diesem Ort wurde 1770 ein Wildgehege errichtet und ein Jahr danach ließ hier der Reichsgraf Franz Wenzel ein Jagdschlösschen erbauen. Zur Ehre seiner Gattin (geboren Gräfin Šternberk) nannte er es Šternberk.

Wir verlassen das ehemalige Schlösschen und folgen die grüne Markierung nach Süden und betreten den Nationalpark Böhmische Schweiz. Etwa nach einem halben Kilometer folgt eine Abbiegung zum Aussichtspunkt Soví vyhlídka. Nach 100 m erreichen wir einen Sandsteinfelsen, aus deren sich eine herrliche Aussicht auf die Wälder des Nationalsparks eröffnet. Zurück auf dem Rundwanderweg Brtníky gehen wir weitere 500 m und erreichen eine Kreuzung mehrerer Waldwege, die im den Landkarten als ,,Písečná brána“ bezeichnet wird. Ein nicht markierter Pfad in Richtung Süden führt uns nach 200 m zum ersten hiesigen Eisfall. Er trägt den Namen ,,Opona = Vorhang“ und bildet sich bei geeigneten Bedingungen an einen kräftigen Sandsteinüberhang. Der Überhang ist bis 10 Meter hoch und bis 5 Meter tief. Der Eisfall, der über diesen Überhang „fliest“ hat im Idealfall eine Gestalt eines Eisvorhangs. Außer dem Wasserfall kann man auch ein interessantes Mikrorelief bewundern, der in den Sandsteinwänden vor allem durch chemische Witterung des Sandsteins entstanden ist. Merkwürdig sind gut ausgeprägte Waben. Außerdem findet man in der Wand auch kleine Bohrlöcher der Solitärbienen, unter den Überhangen haben dann die Ameisenlöwen ihre tödliche Sandfällen.

Von dem Wasserfall kehren wir auf den Wanderweg zurück und folgen die Markierung in Richtung Süden. Nach 0,5 km kommen wir zur Abbiegung zur Sandsteinburg Brtnický hrádek. Auf dem Weg dahin sind viele in den Sandstein gehauene Treppen zu überwinden. Die eigene Burg entstand im 13. Jahrhundert und bis in die heutige Zeit haben sich manche in den Felsen gehaute Räumlichkeiten erhalten. Aus der Burgruine ist eine sehr schöne Aussicht über die Wälder der Böhmischen Schweiz. Zurück auf dem Rundgang Brtníky steigen wir in das Tal des Baches Vlčí potok herab, zu der Wegkreuzung ,,Vlčí potok – u skály“. Weiter gehen wir auf dem Weg stromaufwärts – in Richtung Norden (wir verlassen den grün markierten Wanderweg). Nach etwa 250 m gehen wir an dem Eisfall ,,Bethlehem“ vorbei, der sich an einen kleineren Überhang über Vlší potok bildet. Nach weiteren 150 m können wir rechts auf einen Pfad abbiegen, um nach 200 m unter dem Eisfall ,,Varhany = Orgel“ zu stehen. Falls wir von dem grün markierten Wanderweg noch ein Stück weiter nach rechts abbiegen würden, würden wir wieder nach etwa 200 m eine weitere Seltenheit sehen – die so genannte „Große Eissäule“.  Das Wasser fließt hier aus einem 10 m hohen Überhang herunter und erfriert auf einem Baumstamm. Was eine wirklich atemraubende Schönheit vorstellt. Falls wir uns an den Eisfällen satt sehen haben, können wir den Rundweg weiter verfolgen. Nach 3 km kommen wir zu der Kreuzung ,,Nad Brtníky“ und dann steigen wir zu dem Ausgangspunkt in Brtníky herab.

Sollten wir noch bei Kräften sein, kann man von dort auf dem rot markierten Wanderweg den nahe liegenden Kreuzberg besuchen. Auf dem Gipfel steht die Kapelle der Heiligen Dreieinigkeit aus dem Jahr 1768 und bei dem Weg stehen schön renovierte Kreuzwegstationen. Diese wurden zwischen 1801 und 1804 errichtet und 2016 bis 2017 rekonstruiert.

Unsere Wanderung ist am Ende. Das Land, das wir besuchten ist einigermaßen ein vergessenes Land. Früher ausgesiedelt und bis heute etwas traurig. Aber die Natur ist hier einzigartig. Im Land eines Nationalsparks und zweier Naturschutzgebiete… Der nördlichste teil unserer Heimat.

Text und  Foto: Dominik Rubáš

Ein Häuschen von Brtníky

Vlčí hora

Der Brunnen bei Šternberk

Ein Teil des Eisfalles „Vorhang“

Treppen zur Burgruine

Eisfall „Große Eissäule“

Kreuzberg bei Brtníky