Notiz 11: Sommerschule

Der Sommer steht in unserem Projekt im Zeichen der Sommerschule. Da trifft sich eine Truppe Studenten, Geologiefans und Fachleute und streift eine Woche lang durch Wiesen und Wälder, jubelt über jedes Steinchen und macht eine Wissenschaft daraus. So sieht das vielleicht für einen Laien aus; tatsächlich aber handelt es sich um fachspezifische Arbeit einschließlich Vorträgen, Seminaren und Diskussionen, bei denen ich unsere Dolmetscher immer zutiefst bewundere.

Die diesjährige Sommerschule befaßte sich mit dem Thema „Didaktik und Popularisierung der Geologie“. Oder auch: wie man ein guter Geoparkführer wird und aus der Geologie ein spannendes Abenteuer macht.

Als Projektmanager ist man einerseits Teilnehmer und andererseits für die Betreuung der Gruppe zuständig, also ist man praktisch Reisebegleiter. In der Praxis sieht das so aus, daß man andauernd alles neu berechnen muß. Beim Frühstück ist noch alles in Ordnung, denn die, die übernachtet haben, frühstücken auch. Dann kommt der einheimische Geoparkführer dazu, der zu Hause schläft. Also x+1. Man braucht x+1 Mittagessen, aber Vorsicht – die Teilnehmer sind teils Vegetarier, teils Fleischesser. Und schon hat man eine andere Formel, nämlich 3V+19F. Die gilt aber nur bis zu dem Moment, wo die ganzen Gourmets auf ihre Teller gucken. Sofort wird aus 3V eine ziemlich variable Größe, oder die Fleischesser geben einer momentanen Laune nach und überlegen es sich anders.

Der nächste Stolperstein kommt, wenn man zum ersten Mal ins Gelände aufbricht. Man will 22 Äpfel, 22 Schokoriegel und 22 Flaschen Wasser an die Gruppe ausgeben, aber 4 Äpfel, 2 Wasser und null Schokoriegel bleiben übrig. Dann fängt man an, die Gruppe unauffällig zu zählen und behilft sich im Geiste mit mnemotechnischen Tricks – 3 Männer, 3 Frauen, 4 Akademiker, 4 Deutsche, 2 patente Kerle, 6 aus dem kleinen Haus. Aber die Gruppe wimmelt ständig durcheinander, oder ein paar gehen zurück, um ihren Hammer zu holen, und wieder andere wechseln die Schuhe …

Und so geht es die ganze Woche. Man gibt sich Mühe, daß alle alles haben, und dabei lächelt man und tut so, als ob alles in Ordnung wäre. Auch wenn gerade ein Teil der Gruppe mit dem Auto wegfährt und man mitten zwischen den Felsen allein mit 18 Leuten zurückbleibt und ganz genau weiß, daß im Tal ein Kleinbus wartet, der nur 17 Plätze hat. Oder wenn bei der Besichtigung eines Kirchleins plötzlich die halbe Gruppe fehlt, und dann findet man sie auf dem Friedhof wieder, wo sie sich über die geologische Vielfalt der Grabsteine auslassen. Die Arbeit eines Reisebegleiters und eines Projektmanagers hat also viele Gemeinsamkeiten. Man muß organisieren, improvisieren und die Ruhe bewahren können, z.B. wenn man jemandem schon zum dritten Mal erklärt hat, daß es sich nicht um einen Produktionsfehler handelt, sondern daß die sagenhaften Socken von der SAB tatsächlich zwei unterschiedliche Farben haben. Auf den Vorschlag, die Socken doch untereinander auszutauschen, geht aber niemand ein, und dann kann man sich insgeheim einen Spaß daraus machen, zu raten, wer sich wohl als erster traut, das ungleiche Paar anzuziehen.

Jedenfalls hatte ich nach fünf Tagen einen Vogel, und immer wenn wir die Kinder aus der hiesigen Grundschule getroffen haben, habe ich die Lehrerinnen um die bunten Westen mit den großen Zahlen auf dem Rücken beneidet. Vielleicht kaufe ich solche beim nächsten Projekt.

Notiz 10: Mäusekontrolle

Jedes Projekt bedeutet auch eine bestimmte Menge an Papierkram. Im Großen und Ganzen ist das nachvollziehbar. Man muss die Finanzen im Auge behalten, die Buchhaltung und die Projektwebseite müssen in Ordnung sein, und man muss die Ziele erfüllen, die man sich für das Projekt gesetzt hat. In regelmäßigen Abständen informiert man dann die zuständige Kontrollinstanz mittels Projektfortschrittsberichten und Beleglisten über den Projektfortschritt.

Das wiederum bringt natürlich auch die Archivierung aller Unterlagen mit sich, die meist peinlich genau in Mappen und Ordner einsortiert werden. Man will einfach alles griffbereit haben. Außer den regelmäßigen Berichten kann nämlich auch eine Vor-Ort-Kontrolle vorbeikommen. Und dann zieht man den betreffenden Ordner heraus und hat alles zur Hand.

Soweit die Theorie. Bei uns hat sich neulich tatsächlich eine Vor-Ort-Kontrolle angekündigt, also haben wir die Ordner herausgesucht – und eine böse Überraschung erlebt. Den betreffenden Abschnitt der Buchhaltung hatte nämlich bereits eine Maus kontrolliert. Jedes geprüfte Dokument war sorgfältig mit einer Nagespur markiert. Und die Arbeit war offensichtlich äußerst zeitaufwändig gewesen, denn die Ärmste konnte nicht mal austreten. Sie hatte auch ihr Geschäft vor Ort verrichtet.

Es folgte eine Blitzaktion. Den gesamten Schrank mit den Unterlagen gründlich ausmisten. Alle Dokumente Seite für Seite durchgehen. Kopien kopieren, Originale retten. Die beschmutzen unteren Abschnitte abschneiden. Verschiedene Mittel gegen Mäuse kaufen. Zum Glück hatte das kleine Biest nur ein Halbjahr bearbeitet. Danach war es anscheinend ausgepowert und hatte den Beruf gewechselt.

Woher ist die Mäuseprüferin eigentlich gekommen? Wir haben im Herzen des Geoparks, inmitten der jungfräulichen Natur, einen Altan. Und auf dem Altan ein Klavier, für den Fall, dass sich mal irgendeine Muse hierher verirren sollte. Im Winter holen wir das Klavier immer ins warme und trockene Büro, damit es uns erhalten bleibt. Diesmal hatten wir es mitsamt der kleinen Mieterin hereingeholt. Und naiv geglaubt, dass unser Zusammenleben harmonisch sein würde. Aber jetzt haben wir ihr den Kampf angesagt!

Bisher führt das kleine Luder 1:0.

Geländeworkshop „Jeschkenkamm – ein tektonisches Phänomen“

am 18. 09. 2019 von 9.00 bis 15.30 Uhr

Treffpunkt/Beginn: 9.00 Uhr am Parkplatz vor dem Bahnhof

Hodkovice nad Mohelkou (50.6673753N, 15.1001950E)

 

Im Rahmen unseres dreijährigen sächsisch-tschechischen Projektes laden wir Sie herzlich zum Geländeworkshop, den wir für Sie vorbereitet haben. Der Geländeworkshop wird sowohl in deutsche als auch in polnische Sprache übersetzt.

Der Geländeworkshop führt uns über das durch die tektonische Aktivität am Jeschkenrücken gebildete Profil. Nach dem Mittag besteigen wir den Gipfel des Jeschkens, wo wir uns das tektonische Phänomen der Entstehung des Jeschkenrückens vorstellen.

 

PrograM

8:30 Ankunft und Anmeldung
9:00 Beichtigung des Profils an der Eisenbahn in Hodkovice nad Mohelkou: Kreidesedimente, Quarzporphyr und Melaphyre (ca. 2km)
ca. 12:00 Mittag Hodkovice
13:00 Abfahrt zum Jeschken – Parkplatz Ještědka (50.7300175N, 14.9867892E)
13:30 Exkursion auf dem Gipfels des Jeschkens: die gesamte tektonische Situation, Quarzite, Glimmersteine und weitere metamorphe Gesteine
15:30 Abschluss des Geländeworkshops am Parkplatz Ještědka

 

Bitte die Anmeldung bis zum 11. 09. 2019 an die Adresse emil.drapela@tul.cz zurückzusenden.

 

Für Ihre Fragen steht Ihnen der Projektkoordinator zur Verfügung – Dr. Emil Drápela, Tel.: 00420-730 595 039, Email: emil.drapela@tul.cz. Besuchen Sie eventuell auch: www.gecon.online

 

Wir freuen uns auf Sie!

Für das GECON-Team

 

Kamil Zágoršek & Emil Drápela

Sommerschule

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde und zurück

oder Didaktik und Popularisierung der Geologie

19.-23.8. 2019

Unterkunft: Golf Club Ještěd (Rozstání 5, Český Dub)

 

PROGRAMM

 

MONTAG 19.8.

10.00 ANKUNFT, UNTERKUNFT, PRAKTISCHE INFORMATIONEN

 

10.30 TREFFEN BEI KAFFEE UND WILKOMMEN

informationen zum Programm der Sommerschule, Aufteilen in Gruppen und Kennenlernen

 

11.00 EINLEITUNG IN INTERPRETATION I. – Grundlagen des Interpretationsverfahren / Ladislav Ptáček – SIMID

 

12.30 MITTAG
13.30 EINLEITUNG IN INTERPRETATION II. – Grundlagen des Interpretationsverfahren / Ladislav Ptáček – SIMID

 

15.30 EXKURSION MAZOVA HORKA – Erkunden der Umgebung, Beispiele möglichen Interpretationsverfahren (Skalákovna, Geomorphologie Ještěd)
18.00 ABENDBROT
19.00 ICEBREAKER

 DIENSTAG 20.8.

9.00 Wie gestaltet man eine gute geologische EXKURSION? / Ladislav Ptáček – SIMID

–          Grundlegende Verfahren jeder Führung

–          Bewehrte Hilfsmittel und Rettungseile

–          Erfahrungen aus der Praxis – Was sich bewährt hat

12.00 MIttag
13.00 GELÄNDEEXKURSION – Geoführer DOMINIK RUBÁŠ

Lokalitäten:

1. Lokalität: Skalní sruby Jizery – Erosion am Ufer des Flusses Iser

2. Lokalität: Naturdenkmal Berg Káčov

Historischer Abbau von weißen Cenoman Sandstein

3. Lokalität: Ruine des Schlosses Zásadka

4. Lokalität: Romanische Kirche in Mohelnice nad Jizerou

 

18.00 ABENDBROT
19.00 diskussionrunde – Aus dem leben der naturführer

–          Petr Mužák, Martin Hložek, Jörg Büchner, Blanka Nedvědická, Ladislav Ptáček, Nancy Sauer

 MIttwoch 21.8.

9.00-16.00 einleitung: Geologie ist abendteuer

–          story telling – Erzählen von geschichten

–          Das Erlebnis von suchen nach Antworten auf eine Haut

–          Perspektivenwechsel

ganztagsgeländeexkursion – Geoführer PETR MUŽÁK

–          Paläontologie, Verschiedene Formen der Gesteine und Minerale auf Ještěd, historischer Abbau

Matouš felsen, Křižany – Fluorite, Solvay steinbruch, zámecký kopec, panenská hůrka

18.00 abendbrot
19.00 arbeit in gruppen

 Donnerstag 22.8.

9.00 Wie gestaltet man eine gute geologische exkursion? II. / Ladislav Ptáček – SIMID

–          Praktische Übungen und Beispiele

–          Arbeit in Gruppen, Vorbereitung einer Präsentation

12.00 Mittag
13.00 GELÄNDEEXKURSION – Geoführer PETR MUŽÁK

Lokalitäten

1. Lokalität: Důlní skály – Kamenná vrata – Červený kámen

2. Lokalität: Tomášovsko – Paläontologie, Höhle Červený kámen

3. Lokalität: Čihadník – Sammeln von Calciten

18.00 ABENDBROT
19.00 FREIES programm

 Freitag 23.8.

9.00 präsentationen der Gruppen und beendung der Sommerschule
12.00 oběd
  • Das Programm wird in tschechischen und deutschen Sprache stattfinden, dolmetschen ist gewährleistet.
  • Die Sommerschule ist kostenlos.
Ein Gruppenfoto der Geccos.
Die Theorie ist manchmal lustig.
Zeigt den Geologen einen künstlichen Stein und sie sind für die nächste Woche beschäftigt…
Die Enthülung – die Eidechse ist nicht da!

Wir suchen nach tektonichen Spiegeln.

Jeder sieht was anderes.Eine interessante Ruine.

Hier war mal ein Steinbruch.
Paparazzi lauern auch im Wald.
Der ideale Naturführer wird gemalt.
Nach verschiedenen Vorbildern.
Kann auch weiblich sein.
Hauptsache, er hat die richtigen Socken an.
Hynek und sein Abbild.
Mr. Sympatico.
Dominik und sein Vulkan.
Brennneseln sind keine Hürde.
Der Dolmetscherin Petra ist jeder Gipfel zu klein.
Debatte auf dem Gipfel des Vulkans.

Siesta auf einer Bergwiese.

Gecos, wo man nur hinschaut.
Die drei Geologen des Geoparks Ralsko zum resten Mal alle zusammen.
Jörg 

Emil

Pe

Notiz 9: Die Teilzeitstelle

Des Projektmanagers Fluch hat eine genaue Bezeichnung: Teilzeitstelle. Damit passt Ihre Tätigkeit nicht in die Tabellen, und Sie haben zwar eine vollwertige Arbeit, aber trotzdem nur ein halbes Gehalt. Viele Projektmanager haben daher zwei Standbeine, aber ich kenne auch Fälle, die gleichzeitig an sechs Projekten arbeiten. So etwas kann ich mir nicht vorstellen, denn ich bin immer mit Herzblut bei der Sache – entweder gebe ich alles, oder ich lasse es ganz sein. Freilich trägt auch meine Projektstelle die Bezeichnung 0,75. Ich kann mich also voll und ganz meinem Projekt widmen, und zugleich habe ich Zeit „übrig“, um am weiteren Geschehen in unserem Geopark Ralsko teilzunehmen.

Alljährlich veranstalten wir im Geopark ein kleines, aber feines Landart-Festival. Mitten in der Natur, in einem Tal, wo vor Urzeiten einmal ein hübsches kleines Dorf stand, treffen sich Künstler, sind kreativ und präsentieren ihre Werke den Besuchern. Eine solche Idylle braucht freilich viel Arbeit und Vorbereitung. Wir machen das mit Liebe und brennen für die Sache. Dieses Jahr hatten wir die Idee, das Festival an einen anderen Ort zu verlegen. Auf dem weitläufigen Gebiet des Geoparks gibt es nämlich 20 Stellen, an denen früher einmal Dörfer gestanden haben. Das sind 20 Stellen, die unsere Aufmerksamkeit verdienen, haben wir uns gesagt und sind seit dem Herbst nach und nach alles abgelaufen und haben gesucht. Und wir haben gefunden. Für den aktuellen Jahrgang wurde Svébořice ausgewählt. Eine Lichtung im Wald, ein Bächlein, drei kleine Plattenbaubaracken noch von der Sowjetarmee und in den Wald geworfene Platten, als ob hier Riesen Domino gespielt hätten. So weit, so gut. Den Künstlern schickten wir Informationen über die neue Örtlichkeit, Unterlagen zur Geschichte der Gemeinde, und wir freuten uns darüber, dass wir der traurigen Historie des Dorfes jetzt ein neues, fröhliches Kapitel hinzufügen würden.

Google Earth hat uns gerettet. Wir wollte eine Karte der Örtlichkeit verschicken, und da war so ein komisches Fähnchen. Nach einiger Recherche im Web haben wir herausgefunden, dass zur selben Zeit und am selben Ort eine dreitägige Airsoft-Schlacht mit 1.800 Teilnehmern stattfindet. Und die Veranstalter hatten genau wie wir eine Genehmigung des Waldbesitzers, nur von einem anderen Förster. Das ist doch paradox – wir bemühen uns um die Wiederbelebung eines ehemaligen Armeegeländes, und 2.000 Möchtegern-Soldaten zerschießen uns das Festival! Aus dieser Schlacht treten wir den Rückzug an. Schließlich haben wir ja noch 19 weitere Dörfer, stimmt’s?

Die nächste Stelle, eine schöne Wiese mitten im Kiefernwald, Sandsteinfelsen, wunderschöne uralte und weitverzweigte Eichen. Im Geiste sehen wir schon bunte Hängematten in den Baumkronen und schwelgen in Behagen. Aber hier ist ein Landschaftsschutzgebiet, also müssen wir die Veranstaltung genehmigen lassen. „Ja, das ist möglich, aber Sie dürfen nur auf den ausgewiesenen Wegen gehen“, erklärt uns der Herr vom Landschaftsschutzpark. Aber das ist ein Festival, die Besucher werden über die ganze Wiese laufen, geben wir zu bedenken. „Ja, dann geht es nicht, auf der Erde brütet nämlich die seltene Waldlerche.“ Da haben wir’s!

Wir geben nicht auf, denn schließlich gibt es noch die schöne Stelle, wo kleine Kammern und Kavernen in die Felsen gehauen sind. Unsere Fantasie zaubert gleich Workshops für die Festivalbesucher in sie hinein. Ganz in der Nähe ist eine schöne ebene Wiese, dort wird die Bühne aufgebaut … Wird sie nicht. Die Wiese ist hinter einem Wildgehege, da könnten wir die Hirsche erschrecken. Wir wenden ein, dass wir keine Technoparty sind, sondern ein beschauliches Landart-Festival, wo höchstens Theater gespielt wird und Lieder gesungen werden (ohne Verstärker). Die Begründung, die wir daraufhin vom Waldbesitzer bekommen, ist dermaßen absurd, dass uns darauf keine Antwort einfällt. Da es sich um eine ruhige Veranstaltung handelt, könnten wir die neugierigen Hirsche anlocken, die sich dann vielleicht erschrecken und vom Schrecken einen Infarkt bekommen würden! Diese Logik ist einfach unschlagbar. Gut, eine Weile habe ich noch mit dem Gedanken eines Standes mit Erster tierärztlicher Hilfe für Hirsche gespielt, aber schließlich sind wir davon abgekommen und mit dem Festival an den ursprünglichen Standort zurückgekehrt.

Ach, die goldene Geologie! Auch wenn ich zugeben muss, dass es mir Spaß macht. An einem Tag untersuchen wir mit deutschen Geologen auf einer Exkursion einen Berg von Steinen in einem Kieswerk, am zweiten Tag kümmere ich mich um eine norwegische Künstlerin, die mitten in der Wildnis zwei Nähmaschinen braucht, und am dritten Tag sitze ich im Büro über den Tabellen und dem Projektfortschrittsbericht. Sie verstehen bestimmt, dass ich mit meinen Beschreibungen unseres Projektlebens niemals in diese lächerlich engen Spalten hineinpasse …

Studienreise in die Geoparks Ralsko und Český ráj

Im Rahmen des Projektes GECON findet am 19.-20.6.2019 eine Studienreise für Projektpartner in die Geoparks Ralsko und Český ráj statt

 

PROGRAMM 19.6.

10.00 Ankunft und Unterkunft Golfový areál Ještěd, Rozstání 5, Světlá pod Ještědem
10.30 Spaziergang auf Mazova horka

(Einführung in die geologische Situation der Jeschkenkammes und Umgebung)

12.00 Mittag Golf Ještěd
13.00 Geländeworkshop

1. Lokalität: Český Dub, U Cihelny – Paläontologie – unterer Teil des Mittelturon der Iser Schichtung, Sammeln von Fosilien

2. Lokalität: Sachsteinbruch und Hrubá skála bei Proseč pod Ještědem

Historischer Abbau weißer Cenoman Sandsteine

3. Lokalität: Melafyr Steinbruch bei Proseč pod Ještědem (Ovčín?)

Geschichte, verblasste Pracht der mineralogischen Fundstellen von Achat, Jaspis und Quarz

4. Lokalität: Na Rašovce (Aussicht, Geomorphologie der Landschaft)

5. Lokalität: Rundgang zirka 2 km Rašovka, Hřebenovka, Liščí skála und Horecké skály, die aus Quarzkeratofyr gebildet sind

18.00 Abendbrot

Programm 20.6.

8.00 Frühstück
8.30 Geländeworkshop

1. Lokalität: Křižany-Solvayův lom – Geologie, Paläontologie, Karst, rare Flora

2. Lokalität: Pieta auf Křižanské sedlo – kleines Sakraldenkmal

3. Lokalität: Novina Bahnviadukt

4. Lokalität: Novina (nach zeitlichen Möglichkeiten) – Metamorphite: Aufschluss von Quarzit (ausgeprägter Grat), Kachlíky – Metadiabas, Sammeln von Metalyditen ?

12.00 Mittag Kryštofovo Údolí
13.00 5. Lokalität: Kalksteinbruch in Rokytka Tal – Karst, rare Flora

6. Lokalität: Spaziergang zu Vitriolgrube Zeche

Erste Aussicht auf den Jested
Im Skalakovna, Spielort des Romans Skalak von Karolina Svetla.
In dem Hang sind Fossilien und Petr weisst, wie man sie findet.
Sandsteinbruch
Ein weiterer, hoch interessanter Felsen
Letzter Halt kurz vor dem Sturm
Unter dem Steinbruch, da wussten wir noch nicht, dass wir in den Felsen rein gehen
Drinnen ist Dunkelheit, Kühle und Spinnen = der Geologe ist begeistert.
Křižanské sedlo
Der imposante Viadukt bei Novina
Der Weg in den steilen Hang hat sich gelohnt…
… oben stand ein sehr interessanter Felsen.
Tal der Rokytka – Vitriolgrube Zeche.

Notiz 8: Die Mega-Konferenz

Alle Mühen, der Papierkram und das stundenlange Übersetzen haben sich ausgezahlt. Ich glaube, ich kann sagen, dass unsere Konferenz erfolgreich war. Falls ich je Bedenken hatte, dass es dabei gezwungen und trocken zugehen könnte, so hätte ich nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein können.

Der Anfang entsprach total dem Klischee von Krawatten und deutscher Genauigkeit. Alle Teilnehmer bekamen sorgfältig vorbereitete Materialien in der passenden Sprache und dazu noch ein Namensschild mit dem Projektlogo. Die Organisatoren hatten sogar Namensschilder in einer anderen Farbe (grün), damit auch ganz bestimmt alle kapierten, an wen man sich im Notfall wenden konnte. Die Technik funktionierte, die Dolmetscher waren kaum zu bremsen, und es gab Grußworte und Eröffnungsreden von Politikern.

Dann begann der erste thematische Block, und auf das Podium drängte sich eine höchst unorthodoxe kleine Gestalt in einem wilden Batik-T-Shirt, die ich zunächst für eine Studentin hielt, die sich hierher verirrt hatte. Es war aber die Vorsitzende des tschechischen Geopark-Rates, und auch ihre Präsentation war höchst originell. Und im gleichen Stil ging die ganze Konferenz dann weiter. Ich weiß nicht, warum es im Umfeld von Geoparks so viele interessante Leute gibt, aber gottseidank (oder Natur sei Dank) gibt es sie.

Vor der Mittagspause forderten uns unsere deutschen Kollegen – die mit den grünen Namensschildern – auf, hinauszugehen und ein Gruppenfoto an der Basaltsäule zu machen. Die Fotografin stand schon am Fenster bereit, und die grünen Geckos begannen, uns in Stellung zu bringen. Erst da bemerkte ich, dass auf dem Boden sorgfältig ein Rechteck mit Klebeband markiert war, damit alle aufs Bild passen. Das nenne ich perfekte deutsche Organisation.

Bloß die Ruhe und Gemütlichkeit, mit der unserer Projekt gerade läuft, machen mir ein bisschen Angst. Weil mir die Erfahrung sagt, dass es die Ruhe vor dem Sturm sein könnte. Na, wir werden ja sehen!

Geländerworkshop Sedimente und Vulkanite

am 15.05.2019 von 10.00 bis 14.30 Uhr

Treffpunkt/Beginn: 10.00 Uhr in Hagenwerder Parkplatz am Freibad Hagenwerder (51.056304, 14.956264)

Im Rahmen unseres dreijährigen sächsisch-tschechischen Projektes laden wir Sie herzlich zur vierten Exkursion in einer Reihe von Veranstaltungen ein, die wir für Sie vorbereitet haben. Der Geländeworkshop wird sowohl in tschechische als auch in polnische Sprache übersetzt.

Der Geländeworkshop führt in eine aktive Kiesgrube, in der Kiese und Sande der Neiße abgebaut werden. Anschließend werden wir eine Wanderung zum Hofeberg bei Leuba unternehmen und die Reste tertiären Vulkanismus besuchen.

 

PrograMm

9:50 Ankunft und Anmeldung
10:00 Besuch der Kiesgrube Hagenwerder, Wanderung zum Hofeberg und zurück (ca. 4km)
Ca. 14:30 Rückkehr am Parkplatz

Geländeworkshop POLZENITE

den 18.3.2019 von 10.00 bis 15.00 Uhr

Im Rahmen unseres dreijährigen sächsisch-tschechischen Projektes laden wir Sie herzlich zu einem Geländerworkshop unter Führung von Vladislav Rapprich, ČGS an.

Treffpunkt/Beginn: 9.50 Altan des Geoparks Ralsko pod Děvínem

50.6919517N, 14.8603122E

Programm

9.50 Ankunft und Anmeldung
10.00 Wanderung auf den Spuren der Polzenite, Strecke: Altan des Geoparks pod Děvínem – Aufstieg auf Berg Děvín – Hamerský Špičák – Schächtenstein – Černý rybník – Kozí hřbet – Altan pod Děvínem
cca. 15.00 Rückkehr zum Parkplatz

 

Das Programm läuft auf Tschechisch und Deutsch und wird gedolmetscht. Der Workshop ist kostenlos.

 

Notiz 7: Lost in Translation

Der Projektjanuar steht im Zeichen der Vorbereitung einer Konferenz. Bisher haben wir im Rahmen des Projektes hauptsächlich Aktivitäten im Gelände organisiert, jetzt kommt der offiziellere Teil.

Die Geologenkollegen lieben es allesamt, im Gelände zu arbeiten. Da ist ihnen keine Schlucht zu steil, kein Hügel zu hoch und kein Morast zu tief. Begeistert stochern sie im Lehm, klopfen mit ihrem Hammer jeden Stein ab, und mit offensichtlicher Freude kratzen sie Moos von den Felsen, nur um zu sehen, was sich darunter verbirgt. Die Idee einer Konferenz hat sie bisher noch nicht vom Hocker gerissen, aber wenn das Gelände unter der eisigen Umklammerung des Winters sowieso nicht zugänglich ist, warum eigentlich nicht?

Die Vorbereitung einer Konferenz ist vor allem mit einem unendlichen Strom von E-Mails verbunden. Mit meinem deutschen Kollegen schreibe ich mir an einem Tag mehr E-Mails als mit meinem eigenen Mann in einem ganzen Monat. Zum Glück brauchen wir keine Brieftauben mehr; ich wüsste nämlich nicht, wo wir eine solche Menge davon unterbringen sollten.

Dann braucht man noch Übersetzungen. Und Überredungskünste. Jeder Fachmann oder Politiker verspricht Ihnen im Voraus das Blaue vom Himmel, und dann müssen Sie ihn freundlich, aber beharrlich daran erinnern. Und Geologen sind da keine Ausnahme. Und selbst wenn Sie schließlich den versprochenen Text bekommen, haben Sie noch nicht ganz gewonnen. Eine Sprachversion reicht in einem deutsch-tschechischen Projekt einfach nicht aus. Sie brauchen eine Übersetzung.

Wenn Sie vielleicht unter der irrigen Vorstellung leiden sollten, dass der Übersetzer den Text liebkost, die richtigen Ausdrücke und Synonyme sucht, ihn überprüft, umschreibt und korrigiert, dann ist nichts weiter von der Realität entfernt. In erster Linie drängt die Zeit. Und Dolmetscher dolmetschen manchmal. Also setzen Sie sich selbst daran. Bei den ersten Texten macht es noch Spaß, aber dann kommt die sprichwörtliche harte Nuss. Zum Beispiel das Wort „Sinngesellschaft“. Zwischen einer Gesellschaft der Sinne und einer sinnlichen Gesellschaft gibt es einen Unterschied, der aber für die Autokorrektur nicht unbedingt ersichtlich ist. Dann wieder Sinnsuche, uff, und dieses Mal siegen Sie über die Technik. Aber ein winziger Moment der Unaufmerksamkeit genügt, und anstelle von „laufend“ schreiben Sie „läufig“, und Ihr deutscher Kollege schmunzelt insgeheim über diese ganz neue Sicht auf die Landschaftsentwicklung.

Schließlich haben wir alles geschafft, und so langsam freue ich mich auf die Konferenz, oder eher darauf, dass dieser Wahnsinn endlich aufhört. Und darauf, dass wir wieder ins Gelände gehen. Vielleicht lege ich mir auch einen Hammer zu.