Konferenz Gemeinsame Landschaft – Wege der Partnerschaft und Zusammenarbeit

Termin: 20.11. 2020 von 9:00 bis 16:00 Uhr

Ort: Technische Universität Liberec

(Univerzitní náměstí, Liberec – Gebäude G,

3. Etage, großer Hörsaal)

Wir laden Sie gemeinsam zu der Abschlusskonferenz des Projektes GECON – grenzüberschreitendes geologisches Netzwerk ein

Auf der Konferenz werden wir die Ergebnisse des dreijährigen tschechisch-sächsischen Projektes vorstellen, das sich auf Verbindung von Institutionen im Grenzgebiet konzentriert, die sich mit Studium, Schutz und Präsentation des geologischen Reichtums befassen.  Im Rahmen des Programmes möchten wir einen großen Raum für Präsentationen von Organisationen und Aktivitäten widmen, die wesentlich zur Popularisierung der Geowissenschaften und zur Präsentation des geologischen Reichtums der Region an der tschechischen, deutschen und polnischen Grenze beigetragen haben.

Programm

9.00 / Präsentation

9.30 / Einleitung – Kamil Zágoršek, Leiter des Lehrstuhls für Geologie, Technische Universität Liberec

9.45 / Rückblick auf GECON – Lenka Mrázová, Direktorin des Nationalgeoparks Ralsko

10.00 / Rückblick auf GECON – Jörg Büchner, Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz

10.15 / „GECON – GEOLOGY COOPERATION NETWORK – GEMEINSAMER WEG zur erkenntnis“ – Rückblick auf das Projekt per Film

10.30 / Vormittagspanel: Geologie ohne Grenzen

Präsentationen der grenzüberschreitenden Projekte der Zusammenarbeit in der Geologie (max. 10 Minuten)

  • Projekt Unterstützung der Fortbildung der Naturwissenschaftslehrer – Iva Krupauerová, Severočeské muzeum v Liberec und Jörg Büchner, Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz
  • Tschechisch-polnisches Projekt GECON – grenzüberschreitendes geologisches Kooperationsnetzwerk – Renata Franclová, Nationalgeopark Ralsko und Lukas Tekiela, Regionalne muzeum v Lubani
  • Projekt Izergebirge und Forschung – Ivan Rous, Severočeské muzeum v Liberci a Jörg Büchner, Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz
  • Projekt Zusammenarbeit und Propagation der UNESCO Geoparks in der Euroregion Nieße – Blanka Nedvědická, Direktorin des Globalgeoparks UNESCO Böhmisches Paradies und Nancy Sauer, UNESCO GLOBAL Geopark Muskauer Faltenbogen

11.30 / NEtzwerk GEcon und die Zukunft – wie werden die Aktivitäten weitergeführt (Strategie) – Lenka Mrázová

12.00 / Mittagessen

12.45 / Nachmittagspanel: Am Projekt beteiligt

Präsentationen der in das Netzwerk GECON eingegliederten Institutionen. Beitrag in maximaler Länge von 5-10 Minuten

  • Vlastivědné muzeum a galerie v České Lípě a Ekoporadna Orsej – Veronika Ličaverová
  • Granitabbaumuseum – Anja Köhler
  • Asociace geoparků ČR, z.s. – Jan Doucek
  • Senckenberg Museum für Naturkunde Dresden – Mandy Hofmann
  • Národní geopark Broumovsko – Stanislav Stařík
  • Globální UNESCO geopark Český ráj – Blanka Nedvědická
  • UNESCO Global Geopark Muskauer Faltenbogen – Nancy Sauer
  • Muzeum Českého ráje v Turnově – Jan Bubal

14.15 / GeoBÖRSE

Stände mit Präsentationen der Organisationen und eine Möglichkeit etwas praktisches ausprobieren, freie Diskussionen, Kontaktaufnahme, Kennenlernen

  • Národní geopark Ralsko – neue Applikation mit erweiterten Realität zum Thema Historischer Abbau von Eisenerz
  • Česká geologická služba – 3D Animation, Geologie und moderne Technologie
  • Technická univerzita v Liberci – Mikroskopie
  • Geolovci – geologische Spiele für Laien und Fortgeschrittene, Einblick in die Tätigkeit des geologischen Zirkels
  • Vlastivědné muzeum a galerie v České Lípě a Ekoporadna Orsej – Veronika Ličaverová
  • Granitabbaumuseum – Anja Köhler
  • Asociace geoparků ČR, z.s. – Jan Doucek
  • Senckenberg Museum für Naturkunde Dresden – Mandy Hofmann
  • Národní geopark Broumovsko – Stanislav Stařík
  • Globální UNESCO geopark Český ráj – Blanka Nedvědická
  • UNESCO Global Geopark Muskauer Faltenbogen – Nancy Sauer
  • Muzeum Českého ráje v Turnově – Jan Bubal

 Die Konferenz wird in tschechische, deutsche und polnische Sprache übersetzt. Teilnahme ist kostenlos. Bitte füllen Sie das Anmeldeformular hier aus …

Ansprechpartner: Pavla Růžičková, E-mail: +420 604 870 112, pavla.ruzickova@geoparkralsko.cz

 

Exkursion zu den jungen Vulkanen II

am 09.09.2020 von 9.30 bis 15.00 Uhr

Treffpunkt/Beginn: 9.30 Uhr an der Straße S129 zwischen Ostritz und Bernstadt (51.022583, 14.899455 oder 33U 492948, 5652341)

Im Rahmen unseres dreijährigen sächsisch-tschechischen Projektes laden wir Sie herzlich zur Exkursion in einer Reihe von Veranstaltungen ein, die wir für Sie vorbereitet haben. Der Geländeworkshop wird sowohl in tschechische als auch in polnische Sprache übersetzt.

Der Geländeworkshop führt zu zwei erloschenen Vulkanen, die im Dreiländereck mit ihren teils imposanten äußeren Erscheinungen die Landschaft prägen und so allgegenwärtig sind. Außerdem geben sie Einblicke in eine „heiße“ Vergangenheit. Die beiden besuchten Lokalitäten widerspiegeln einen guten Querschnitt der Vulkane in diesem Gebiet. Insgesamt wandern wir ca. 6km.

 

Programm

9:30 Ankunft und Anmeldung
9.30 Wanderung zum Knorrberg bei Dittersbach und zum Stadtwaldbruch am Steinberg bei Ostritz
14.30 bis 15:00 Ende der Veranstaltung

 

Bitte die Anmeldung bis zum 03.09.2020 an die Adresse Joerg.Buechner@senckenberg.de zurückzusenden.

 

Für Ihre Fragen steht Ihnen der Projektkoordinator zur Verfügung – Jörg Büchner, Tel.: 0049-3581-4760-5701 Joerg.Buechner@senckenberg.de

Newsletter 1 2020

Geologe auf Ještěd

Ein Geologe auf Ještěd während der Koronakrise

Petr Mužák

Geologie hinter verschlossenen Türen? Auf keinen Fall! Der Traumberuf des Geologen hängt mit der leblosen Natur zusammen, und verzeihen Sie mir diese Aussage, mit den Menschen erst an zweiter Stelle. Obwohl wir die Annehmlichkeiten der Neuzeit wie das Internet haben, ist für uns, die Steine lieben ein Hammer am wichtigsten,  der auf verschiedene Arten verwendet werden kann, aber seine Hauptaufgabe ist es dem Geologe im Gelände zur Hand zu sein.

Glücklicherweise findet man dieses Ding bei solchen Enthusiasten an mehreren Orten, zu Hause, in der Arbeit und vielleicht sogar an einem Freund geliehen. Selbst wenn Sie gerade ein Home Office angeordnet haben, sind Sie nicht daran gebunden, dass es nicht zur Hand ist. Uf, da bin ich beruhigt, ich bin keine Ausnahme. Mein Hammer lehnt schön an der Tür und ist immer bereit zu gehen. Zum Glück darf man auch im Ausnahmezustand rausgehen.

Es ist vom Vorteil, wenn Sie de facto im Wald leben, wo Füchse eine gute Nacht geben. Dann kann man herausrennen, ohne zu befürchten müssen, dass man unverständliche Blicke der Einwohner an sich zieht, die sich wundern, wohin der Verrückte mit dem Hammer in der Hand wohl rennen mag.

Irrtum, die Zeit ist anders, auch vor einer Konfrontation ist kein entkommen. Menschen trifft man an unerwarteten Orten an, oder dort, wo sie sie selbst in den wildesten Fantasien nicht erwarten würden.  Schwierige Zeit bringt eine Menge Überraschungen. Ein hartnäckiger Geologe lässt sich nicht einschüchtern, er findet einen Umweg und eilt verborgen im Waldgebüsch zu seinem Ziel.

Endlich allein, weit und breit niemand, nur das Singen kleiner Vögel, der frische Wind und die Sonne, die ihnen den Nacken wärmt. Jeder Stein, jeder Stein lässt ihre Seele baumeln. Das Ziel ist jedoch etwas Anderes, ja sogar eine wissenschaftliche Aufgabe. Ein Besuch im alten Kalksteinbruch, der zuletzt in den Kurzgeschichten von Karolína Světlá erwähnt wurde. Ein Steinbruch, aus dem nicht nur die geologische Vergangenheit, sondern auch das schwere menschliche Schicksale verbirgt.

Ale to je jiný příběh a jiná krajina. Zde jsme na Ještědu, kde kdysi horotvorné procesy a metamorfóza byly tak silné, že zastřely skoro všechny paleontologické znaky, a proto najít nějakou zkamenělinu je spíše vzácností.

Sie stehen auf einem Haufen, wo man jedem Stein die Hand eines Brechers ansieht, und fangen an in Euphorie jeden Stein zu wenden. Der lokale kristalline Kalkstein verbirgt in einzelnen Positionen Fossilien, nach denen Sie sich lange Zeit gesehnt haben. Im Kopf eines jeden Sammlers stecken Ideen über die weltberühmten Trilobiten, Lilien, Kopffüßer, die einst vom berühmten Joachim Barrande beschrieben wurden. Aber das ist eine andere Geschichte und eine andere Landschaft. Hier sind wir immer noch auf Ještěd, wo einst gebirgsbildende Prozesse und Metamorphosen so stark waren, dass sie fast alle paläontologischen Merkmale erloschen haben, und daher ist ein Fossilienfund sehr rar.

Plötzlich scheint es als würde die Sonne aufgehen und vor Ihnen liegt eine flache Kalksteinplatte und darauf ein Gewirr von Rohren unterschiedlicher Breite und Länge. Ja, das ist es, der Fossilienbestand von Stromatoporum Zweigen. Ein Ausdruck, der niemandem etwas sagt, doch auf dem Gesicht des Paläontologen ein Lächeln verbreitet.

Stromatoporen waren Meerestiere, deren Skelette aus Calciumcarbonat bestanden. Ihre Einstufung im Bereich Animalia ist ungewiss, zunächst wurden sie als Nesseltiere eingestuft, wie zum Beispiel Süßwasser Polypen. Später war ihre systematische Position bei der Schwämme. Wir wissen, dass sie seichte, warme Meere bevorzugten, wo sie an der Bildung von Klippen beteiligt waren. In einigen Fällen überwogen sie sogar gegenüber anderen Tieren, wie im Falle der grob verzweigten Stromatoporen aus dieser Lokalität, der Art Amphipora. Deren Alter, sowie das Alter der kristallinen Kalksteine ​​in Ještěd, in denen sie sich befinden, reihen wir zum höchsten Teil des mittleren Devon.

Plötzlich taucht ein weiteres Fund auf, sodass Sie auswählen können, welchen Sie mit nach Hause nehmen möchten. Aber Vorsicht, im kurzen Augenblick landen zehn ähnlich große, aber immer schwerere Teile in Ihrem Rucksack, und sie sind alle so schön.

Deshalb werde ich wieder vernünftig und wähle rational nur einige zukünftige Exponate aus, die ich mit nach Hause nehme. Meine Entzugserscheinungen sind für einige Zeit verjagt, aber ich plane bereits eine weitere Expedition.

Newsletter 1 2020

Geologie in der Quarantäne

Emil Drápela

 

Liebe Leser unseres Newsletters,

Sie freuten sich sicherlich auf eine weitere regelmäßige Dosis von Nachrichten aus der Welt der geologischen Ausstellungen, Vorträge, Seminare und Exkursionen, aber ihre Umsetzung wurde durch Quarantänemaßnahmen im Zusammenhang mit der Verbreitung von COVID-19 verhindert. Dieser Newsletter könnte daher sehr kurz sein, da aufgrund des unbekannten Enddatums der Quarantänemaßnahmen bisher keine Veranstaltungen stattfinden. Der Veranstaltungskalender kann nur zwei Wörter enthalten: „News? Later… “

Dies bedeutet jedoch nicht, dass Sie ohne Geologie sein müssen! Ja, Massenveranstaltungen werden bis auf weiteres abgesagt, aber Sie können auch selbst einen schönen geologischen Spaziergang machen. Wohin und wie man eine Reise plant? Dieser Artikel soll Ihnen dabei helfen.

  1. Studieren Sie die Quellen

Wenn Sie zu Hause ein Buch oder eine Broschüre über geologische Sehenswürdigkeiten in Ihrer Nähe haben, haben Sie die Hälfte gewonnen. Finden Sie es, entstauben Sie es, öffnen Sie es und finden Sie heraus, an welchen Orten Sie noch nicht waren. Wenn Sie zu dem Teil der Menschheit gehören, der zu Ihrem Nachteil keine ähnlichen Veröffentlichungen zu Hause hat, müssen Sie nicht einer Depression erliegen, es gibt viele andere Ressourcen.

Wir empfehlen, auf der Website der Popularisierungswebsite Svět geologie, die vom Tschechischen geologischen Dienst betrieben wird, im Abschnitt „Ausflugsziele“ zu beginnen: http://www.geology.cz/svet-geologie/vylety Die Seite enthält eine Reihe bereits verarbeiteter Exkursionen, die man selber absolvieren kann – Sie müssen lediglich den Reiseleiter ausdrucken oder auf ihr Handy herunterladen. Es gibt auch Tipps zu geologischen Naturpfaden und anderen interessanten Materialien.

Wenn Sie lieber Ausflüge auf der Karte planen und sich nicht mit einer kurzen Beschreibung auf der Touristenkarte zufrieden geben möchten, können Sie den Webkartendienst ausprobieren, der wiederum vom Tschechischen geologischen Dienst betrieben wird, nämlich „Geologische Attraktionen der Tschechischen Republik, Version 2.0“: https: //mapy.geology. cz / zajimavosti / Die Karte enthält die interessantesten zugänglichen geologischen Orte mit einer kurzen Beschreibung. Eine detailliertere Beschreibung und eine Fotodokumentation des Ortes sind dann nach dem Klicken zugänglich. Die klassische Touristenkarte kann dann mit einer Orthofoto-Karte kombiniert werden, was beispielsweise beim Auffinden eines Standorts im Gelände hilfreich ist. Sie können auch die zugrunde liegende geologische Karte anzeigen. Und die beste Nachricht ist, dass die App auch auf Smartphones funktioniert, sodass Sie genau sehen können, wo Sie sich befinden und wo sich der Standort im Gelände befindet, oder Ihre eigene Bewegung auf der geologischen Karte genießen.

  1. Planen Sie eine Strecke, auf der keine Menschen sein werden

Haben Sie einen geeigneten Ort gewählt? Es ist Zeit, Ihre Reise zu planen. Und es muss gesagt werden, dass die bekanntesten Touristenziele wie Pravčická brána oder Prachovské skály definitiv kein geeigneter Ort sind. Selbst während der Quarantäne werden viele Menschen dort sein, so dass der Besuch dieser Ziele nicht sehr verantwortlich ist. Glücklicherweise gehören die meisten geologisch interessanten Standorte zu weniger besuchten Orten, die man ohne Bedenken besuchen kann. Darüber hinaus ist es auch möglich, das Infektionsrisiko zu mindern,  indem man auf ungewöhnliche Weise an den Ort gelangen kann, der beispielsweise nicht auf einem stark besuchten touristisch markierten Weg führt. Dies kann auch eine interessante Herausforderung sein.

Es ist Frühling, Wiesen, Felder und Wälder sind noch begehbar, denn bisher ist das störende Grün nicht gewachsen, was die Geologie abdeckt und die Durchlässigkeit des Geländes verschlechtert. Nutzen Sie also keinen Weg, wenn es nicht sein muss. Nehmen Sie die Geologie mit allen Sinnen wahr. Gehen Sie entlang der Linien von Felsen, Wasserläufen, verschwundenen Straßen. Folgen Sie den Hügelkämmen, den alten Steinpfaden oder gehen Sie einfach von einem Busch zum anderen. Nichts in der Landschaft ist ein Zufall. Alles ist geologisch bedingt. Und ein geheimer Tipp am Ende: Versuchen Sie, entlang der Linien der Čertovy zdi (Teufelsmauern) zu gehen. Sie werden nicht viele Leute treffen.

  1. Genießen Sie die Lokalität

Wenn Sie dort ankommen, wo Sie hinwollten, ist es Zeit, Ihre geologische Intuition zu nutzen. Obwohl die Karte oder der Ausflugführer beschreiben, was in der Gegend interessant ist, ist es manchmal nicht einfach, diese interessante Sache im Gelände zu finden. Kann man am Standort Mineralien oder Fossilien finden? In welchem ​​Gestein oder in welcher Schicht soll man suchen? Wie sehen diese überhaupt aus? Während des klassischen geologischen Ausflugs zeigt Ihnen ein Reiseleiter alles, es ist alles einfacher. Jetzt müssen Sie alles mit Hilfe Ihrer Quellen selbst entdecken. Nehmen Sie sich genügend Zeit zum Erkunden, gehen Sie mit offenen Augen durch die Lokalität und erkunden Sie alles, was Sie finden können. Wenn Ihre Informationen nicht sehr genau sind, dauert es länger, aber Sie werden sich möglicherweise wie ein echter Prospektor fühlen.

Unterschätzen Sie die Ausrüstung nicht – zusätzlich zu einem geologischen oder anderen Hammer, ist weiteres nützlich: eine kleine Plastikgartenschaufel zum Ausgraben von Proben, Papiertücher zum Verpacken, Plastiktüten mit Reißverschluss zum Aufbewahren von Proben in einem Rucksack, Alkoholmarker zur Beschreibung der Tüten, manchmal auch Schutzbrille ( wenn Sie so stark hämmern, dass Steinfragmente wegfliegen), ein Sprühgerät (wenn die Proben schmutzig sind und Sie sie an Ort und Stelle waschen müssen, um herauszufinden, was Sie überhaupt gefunden haben) oder eine Klappschaufel (wenn Sie mehr als ein wenig graben). Wenn Sie nicht zum Sammeln in die Lokalität gekommen sind, sondern nur zum Genießen, brauchen Sie natürlich nichts. Und vergessen Sie trotz aller Begeisterung des Sammlers nicht, sich zu entspannen, denn das ist heute wichtiger als alle Sammlungsstücke.

Newsletter 2 2019

Ausflugstipp

Zauberhafter Berg Boreč

Die Winterexpedition zum Boreč-Hügel im Böhmischen Mittelgebirge lohnt sich, wenn die Außentemperaturen unter -10 ° C fallen. Dann können Sie sich wie Maruška fühlen, die in einem Märchen über 12 Monate im Winter zu Erdbeerensammeln ging.

Der gesamte Boreč-Hügel ist mit einem Netz kleiner Felsrisse verwoben, die sich sowohl am Fuße des Hügels als auch an seiner Spitze öffnen. Im Winter saugt der Hügel am Fuß kalte Luft aus der Außenumgebung auf, die im System der inneren Risse durch das umgebende Gestein erwärmt wird, so dass es auf der Spitze des Hügels viel wärmer in die Luft zurückgeblasen wird. Der Temperaturunterschied zwischen der austretenden Luft und der Umgebung kann bis zu 20 ° C betragen. Die Temperatur des Felsens innerhalb des Hügels fällt nie unter 9 bis 10 ° C und der gesamte Effekt ist umso größer, je niedriger die Außentemperatur ist. Darüber hinaus ist die Luft im Inneren des Hügels mit Feuchtigkeit angereichert, sodass sich in den harten Wintern über der Mündung schöne Bereifung und Eiszapfen bilden. In den Gruben auf der Spitze des Hügels kann man selbst mitten im härtesten mitteleuropäischen Winter das lebhafte Leben verschiedener Kleintiere in den Oasen wunderschöner grüner Pflanzen beobachten, die von gefrorener Schönheit umrahmt sind.

Das ganze einzigartige Phänomen kann besonders im Winter beobachtet werden. Zur Aufklärung , wurde hier 1981 ein Lehrpfad Boreč eingerichtet, der im Dorf Režný Újezd ​​etwa sechs Kilometer nordwestlich von Lovosice beginnt und endet. Borečský vrch ist auch über die gleichnamige Siedlung Boreč entlang des Tyrš-Pfades erreichbar, der durch ein grünes Dreieck von der Kapelle aus gekennzeichnet ist.

Newsletter 1 2020

Landschaftsfotografie

Warum fotografiert man das Relief einer Landschaft

oder

Ein paar (nicht unbedingt bemerkenswerte) Gedanken von einem Liebhaber der Landschaftsfotografie

 

Andrzej Paczos

Ich bin kein Profifotograf und sogar kein fortgeschrittener Amateur. Ich habe diesen Text geschrieben, weil man mich beobachtet hat, dass ich die Landschaft fotografiere, weil man mich darum gebeten hat. Ich würde niemals selbst darüber schreiben, es würde mir nicht in den Sinn kommen.

Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage: warum ich das Relief (die Landschaft) gern fotografiere?

Erstens – ich habe das Glück gehabt in Kotlina Jeleniogórska (Hirschberger Tal), einer landschaftlich sehr schönen Gegend, geboren zu sein. Jeden Tag habe ich zwischen den Häusern meiner Stadt Berge gesehen: Karkonosze (Riesengebirge), Góry Kaczawskie (Bober-Katzbach Gebirge) oder Góry Izerskie (Isergebirge). Ich bin in dieser Landschaft aufgewachsen und fühle ich mich mit ihr sehr verbunden.

Zweitens – ich bin neugierig. Ich will und mag, immer was Neues kennenlernen, meine Umgebung zu verstehen, mein Platz zu finden und anderen, wenn sie sich es wünschen, mehr darüber zu vermitteln. Vielleicht bin ich deshalb Geograf und Fremdenführer geworden.

Drittens – weil in der Landschaft die Reliefformen viele Informationen verbergen, eine Landschaftsgeschichte erzählen können. Wenn ich diese Formen sehe, versuche ich mir vorzustellen, wie sie entstanden sind. Wie sie sich mit der Zeit verändert haben und noch verändern werden. Alle dieser Formen sind einmalig.

Viertens – weil ich die Schönheit mag. Sie ist überall zu finden. Man muss nur die Augen öffnen, die Landschaft ein bisschen kennenlernen und sich Zeit nehmen. Ich kann die Schönheit manchmal sogar im Nichtschönen erkennen. Natürliche Landschaften sind aber immer schön. Sie sehen jedes Mal anders aus. Am frühen Morgen, im Tageslicht, bei der Dämmerung. Im Regen, im Nebel, im Sonnenschein, mit Schnee bedeckt. Anders im Sommer, Herbst, Winter und Frühling. Auch wenn man sie aus unterschiedlichen Perspektiven (Orten, Winkeln) anschaut.

Welche Landschaften, Reliefformen sind am fotogensten?

Diese Frage lässt sich auch nicht ohne Schwierigkeit beantworten. Lange Zeit dachte ich, Gebirgsbilder sind am schönsten, am expressivsten. Auf einer physischen Karte von Europa erscheint Frankreich als das Land mit dem breitesten Spektrum von Landschaften. Was kann man dagegen in so flachen und gebirgslosen Ländern wie Niederlande oder Dänemark finden? Ich habe meine Meinung ändern müssen als ich von einem niederländischen Freund ein Fotoalbum von den Landschaften seiner Heimat bekommen habe. Dank ihm habe ich die Bedeutung von geraden Linien und weiter Perspektive schätzen gelernt. Und die Schönheit von Dänemarks Landschaften habe ich selbst während der Urlaubsreisen entdeckt. Die Dünen, Heiden, Kliffe sowie breite Watte haben mich verzaubert. Gerade diese einfachen, klaren und „sauberen“ Landschaften haben mich stark beeindruckt. Sie erinnerten mir die Schlichtheit der protestantischen Gotteshäuser…

Auch auf die dritte Frage, wie soll man das Relief einer Landschaft fotografieren, gebe ich wieder keine einfache Antwort.

Es hängt von dem was man fotografieren, zeigen will.

Wenn  das Bild ein Dokument sein soll, um eine Reliefform oder eine Landschaft mit ihrer Gestalt und deren Entstehungsprozesse oder Besonderheit darzustellen, konzentriert man sich nur auf diese Merkmale. Alles andere ist dann nicht so wichtig. Deshalb sind viele derartige Dokumentarbilder oft irgendwie nicht ästhetisch. Entweder ist das Bild nicht gut aufgebaut oder etwas unscharf, überlichtet usw. – Fachleute bemerken oft andere, störende Elemente im Umfeld des eigentlichen Objekts nicht. Es reicht ihnen, wenn sie aufnehmen, was sie interessant finden.

Umgekehrt sind Kunstbilder technisch und ästhetisch korrekt aber bilden die Besonderheiten von dargestellten Reliefformen in den Landschaften nicht gut ab. Die Werke von Kunstfotografen beeindrucken durch ihre Qualität, Farben, gesamte Komposition aber den Fachleuten scheinen sie irgendwie unvollständig – ohne „Seele“ zu sein. Es entsteht der Eindruck, der Fotograf hat keine Ahnung von der Spezifik, Entstehung des aufgenommenen Objekts und stattdessen nur auf die Komposition, Farben geachtet.

Ich denke, man soll das gewünschte Objekt so fotografieren, wie man es sieht und fühlt, wie man es versteht. Man sollte das, was man fotografiert versuchen zu fühlen und zu verstehen.  Wie so oft wäre auch hier eine Kombination aus den Extremen wünschenswert, eine Fotografie, die auf die künstlerische als auch auf die Wahrhaftigkeit des Objektes Wert legt.  

Newsletter 2 2019

Aus dem Projekt

Projekt Quellen

Obwohl dieses Jahr nicht so arm an Regen war, wie das Jahr vorher, sind die Grundwasserreserven weit von normalem Zustand. Die Stellen der natürlichen Ansammlung von Grundwasser sind deshalb in den letzten Jahren Ziel eins zunehmenden Interesses von Wissenschaftlern vieler Fachrichtungen, vor allen aber der Hydrogeologen.  Sowohl Experten als auch die breite Öffentlichkeit beginnen zu verstehen, dass nicht jedes Gestein Wasser aufnehmen und als Reservoir dienen kann. Und dass wir deshalb die Stellen, an denen sich Grundwasser ansammelt, pflegen und vor Verschmutzungen schützen sollten. Wasser ist nämlich, im Gegensatz zu vielen anderen Rohstoffen, eine unersetzliche Ressource, auf die wir nicht verzichten können.

Im tschechisch-deutsch-polnischen Grenzgebiet finden wir eine Reihe von Beispielen, wie mit Wasserressourcen respektlos und unwirtschaftlich umgegangen wird. Das schlimmste Beispiel aus der Vergangenheit ist die massive Verschmutzung des Trinkwasservorrates bei Stráž pod Ralskem durch Uranabbau. Gegenwärtig spricht man häufig über das Thema des Grundwasserverlustes in Gemeinden in der Nähe der Braunkohlengrube Turów in Polen. Leider gibt es eine ganze Reihe anderer negativer Beispiele, die von einer rücksichtslosen Regulierung von Wasserläufen, die das Wasserrückhaltevermögen der Landschaft begrenzen und die Selbstreinigung der Wasser verringen, über fehlende oder veraltete Kläranlagen bis zu  rücksichtslosen Zugang zum Boden, der für die Wasserretention entscheidend ist.

Einer der Partner des Netzwerkes GECON, die Technische Universität in Liberec, Lehrstuhl der Geografie, hat in den Jahren 2016 – 2019 ein Projekt mit dem Titel „Quellen, die Landschaften und Staate verbinden – Umweltbildung und Zusammenarbeit in der Region Liberec-Zittau“, welches den Zustand der Quellen entlang einen 40 km langen Teil der Lausitzer Verwerfung analysierte. Bei den Quellen wurden chemische Analysen des Wassers durchgeführt, sowie geologische Untersuchungen, wiederholte Messungen deren Ergiebigkeit während des Jahres usw. Die Ergebnisse sich nicht sehr ermutigend: die Quellen haben generell eine geringere Ergiebigkeit als vor 30 – 40 Jahren, viele sind durch periodische Austrocknung bedroht, obwohl es in der Vergangenheit gar nicht oder selten der Fall war. Ein relativ hoher Prozentsatz der Quellen in auf eine Art und Weise verschmutzt und kann daher nicht als Trinkwasserquelle genutzt werden.

Nähere Informationen finden Sie auf der Projektwebseite: prameny.tul.cz

Newsletter 2 2019

Tipp für Sie

Steine auf dem Friedhof

Text: Jörg Büchner

Habe Sie schon einmal nachgedacht, wo die Grabsteine auf dem Friedhof herkommen? Vom Steinmetz, klar! Aber das Gestein muss dafür in einem Steinbruch aus der Erde gefördert werden. Früher, als es noch keine Eisenbahn gab und als Transport wesentlich teurer war als heute wurden dafür wie auch beim Hausbau im Wesentlichen Rohstoffe aus der Region verwendet. Nur Könige und Fürsten und andere Adlige leisteten sich edle Steine, die z.T. weit angeliefert wurden.

Schaut man heute auf einen Friedhof in der Region, fällt auf, dass die Grabsteine aus heimischen Gesteinen immer seltener werden. Stattdessen überwiegen Gneise und Granite aus Asien (Vietnam, Indien und China). Auch sind Gabbros und andere magmatische Gesteine aus Skandinavien verbreitet. Bei den heimischen Gesteinen überwiegen die so genannten „Lausitzer Grünsteine“ oder „Diabase“, die bis zur politischen Wende 1989 in der Region im Dreilandereck aber auch in ganz Norddeutschland verbreitet waren. Es handelt sich dabei im geologischen Sinne um Mikrogabbros, die auch zu den dunklen magmatischen Gesteinen zählen. Im polierten Zustand sehen diese sehr edel aus und sind als Grabstein gut geeignet. Manche Varietäten werden als „Schneeflocke“ bezeichnet, was von größeren Feldspatkristallen herrührt. Weitere beliebte Grabsteine in der Gegend stellen die Granite von Liberec oder des Riesengebirges dar. Diese ergeben im polierten Zustand einen warmen Farbton, bei dem die rosa- bis fleischfarbenen Feldspäte besonders auffällig sind.

Unabhängig von der Herkunft der Gesteine, stellt ein Friedhof ein Schaufenster in die Geologie dar. Hier lassen sich viele unterschiedliche geologische Prozesse finden, die die große Vielfalt der Gesteine erzeugten.

Newsletter 1 2019

Aktuell

Die Sommerschule

Der Sommer steht in unserem Projekt im Zeichen der Sommerschule. Da trifft sich eine Truppe Studenten, Geologiefans und Fachleute und streift eine Woche lang durch Wiesen und Wälder, jubelt über jedes Steinchen und macht eine Wissenschaft daraus. So sieht das vielleicht für einen Laien aus; tatsächlich aber handelt es sich um fachspezifische Arbeit einschließlich Vorträgen, Seminaren und Diskussionen, bei denen ich unsere Dolmetscher immer zutiefst bewundere.

Die diesjährige Sommerschule befaßte sich mit dem Thema „Didaktik und Popularisierung der Geologie“. Oder auch: wie man ein guter Geoparkführer wird und aus der Geologie ein spannendes Abenteuer macht.

Als Projektmanager ist man einerseits Teilnehmer und andererseits für die Betreuung der Gruppe zuständig, also ist man praktisch Reisebegleiter. In der Praxis sieht das so aus, daß man andauernd alles neu berechnen muß. Beim Frühstück ist noch alles in Ordnung, denn die, die übernachtet haben, frühstücken auch. Dann kommt der einheimische Geoparkführer dazu, der zu Hause schläft. Also x+1. Man braucht x+1 Mittagessen, aber Vorsicht – die Teilnehmer sind teils Vegetarier, teils Fleischesser. Und schon hat man eine andere Formel, nämlich 3V+19F. Die gilt aber nur bis zu dem Moment, wo die ganzen Gourmets auf ihre Teller gucken. Sofort wird aus 3V eine ziemlich variable Größe, oder die Fleischesser geben einer momentanen Laune nach und überlegen es sich anders.

Der nächste Stolperstein kommt, wenn man zum ersten Mal ins Gelände aufbricht. Man will 22 Äpfel, 22 Schokoriegel und 22 Flaschen Wasser an die Gruppe ausgeben, aber 4 Äpfel, 2 Wasser und null Schokoriegel bleiben übrig. Dann fängt man an, die Gruppe unauffällig zu zählen und behilft sich im Geiste mit mnemotechnischen Tricks – 3 Männer, 3 Frauen, 4 Akademiker, 4 Deutsche, 2 patente Kerle, 6 aus dem kleinen Haus. Aber die Gruppe wimmelt ständig durcheinander, oder ein paar gehen zurück, um ihren Hammer zu holen, und wieder andere wechseln die Schuhe …

Und so geht es die ganze Woche. Man gibt sich Mühe, daß alle alles haben, und dabei lächelt man und tut so, als ob alles in Ordnung wäre. Auch wenn gerade ein Teil der Gruppe mit dem Auto wegfährt und man mitten zwischen den Felsen allein mit 18 Leuten zurückbleibt und ganz genau weiß, daß im Tal ein Kleinbus wartet, der nur 17 Plätze hat. Oder wenn bei der Besichtigung eines Kirchleins plötzlich die halbe Gruppe fehlt, und dann findet man sie auf dem Friedhof wieder, wo sie sich über die geologische Vielfalt der Grabsteine auslassen. Die Arbeit eines Reisebegleiters und eines Projektmanagers hat also viele Gemeinsamkeiten. Man muß organisieren, improvisieren und die Ruhe bewahren können, z.B. wenn man jemandem schon zum dritten Mal erklärt hat, daß es sich nicht um einen Produktionsfehler handelt, sondern daß die sagenhaften Socken von der SAB tatsächlich zwei unterschiedliche Farben haben. Auf den Vorschlag, die Socken doch untereinander auszutauschen, geht aber niemand ein, und dann kann man sich insgeheim einen Spaß daraus machen, zu raten, wer sich wohl als erster traut, das ungleiche Paar anzuziehen.

Jedenfalls hatte ich nach fünf Tagen einen Vogel, und immer wenn wir die Kinder aus der hiesigen Grundschule getroffen haben, habe ich die Lehrerinnen um die bunten Westen mit den großen Zahlen auf dem Rücken beneidet. Vielleicht kaufe ich solche beim nächsten Projekt.

Tipp für Sie

Aus dem Sturm geboren

Text Martin Dlouhý

In der Region Česká Lípa gibt es Sagen über einen geizigen Bauern und einen Bettler, der eine Handvoll Erbsen betteln wollte. Nachdem er gescheitert war, verfluchte er das Feld des Bauern und verwandelte die Erbsen in Stein. Man muss den Sagen nicht glauben, doch die Steinkugeln gibt es hier immer noch.

Geheimnisvolle Murmeln

Die Sturmkugeln oder auch Murmeln der Schamane sind die häufigsten Bezeichnungen für die eisenhaltigen Konkretionen, die man in der Region Česká Lípa auffindet. Schon seit den ersten Funden haben unsere Vorfahren in den Kugeln etwas Übernatürliches gesehen und ihnen magische Kräfte zugewiesen. Laut den Mystikern sollen sie alle Blockaden im Körper beseitigen können, einen freien Fluss der positiven Energie ermöglichen und ein gutes Werkzeug zur Meditation sein. Bei sich getragen, bringen die Murmeln dem Besitzer geistliches Gleichgewicht und Zufriedenheit. Aus mystischer Sicht sind die Steine gepaart, also männlich und weiblich. Diese voneinander zu unterscheiden ist keine Herausforderung, denn die Weiblichen sind glatt und die Männlichen wieder rau, so wie es sein sollte. Das Interessanteste an den Kugeln ist jedoch nicht die Magie, sondern die streng rationale Wissenschaft.

Tschechische Republik, Vereinigte Staaten und Mars

Prysk ist keine große Gemeinde, aber es liegt in einem Tal, beidseitig von Sandstein eingeklemmt und etwa fünf Kilometer lang.  „Ich zeige dir ein Paar Stellen, an den man die Kugeln entdecken kann, aber ich möchte nicht die Lage verraten. Die Kugeln werden nämlich im Internet gehandelt und wir wünschen uns im Prysk kein Goldfieber haben, wie zum Beispiel um die Moldavite herrscht,“ sagt Petra, die mir die Naturschönheiten der Gegend zeigt. Rund um Prysk befinden sich primäre Fundstellen, an denen man die Kugeln noch im Sandsteinfelsen eingebettet sehen kann, woraus sie witterungsbedingt freigesetzt werden.  Man fand die Kugeln üblich nach einem Gewitter freigelegt und in die Felder ausgespült.  Deshalb haben die Kugeln den Namen Sturmkugeln erhalten, obwohl es nicht der einzige Name ist. Für die Größeren in den Feldern gefundenen hat man im 19. Jahrhundert den Namen „Pickernte“ verwendet, was auf die Kartoffelernte erinnert und „Knallkugeln“, da diese im Feuer oft platzten und zersplitterten. „Sie werden auch Navajo- und Marskugeln genannt. Außer Tschechien findet man sie in den USA. In der Gegend zwischen Utah, Colorado und Arizona in den USA, Colorado Plateau genannt, wo die Navajo-Indianer lebten und dann auf dem Mars. Es gab hier eine offizielle Untersuchung, es waren hier auch Experten der NASA, denn die Kugeln können Anwesenheit von Wasser auf dem Mars beweisen. Und bei der NASA gibt es bereits Daten zu ähnlichen Mustern vom roten Planeten“, erklärt meine Führerin Petra. Trotz der unglaublichen Tatsache, dass ein Dorf in Nordböhmen irgendwie mit unserem nächsten Planeten verbunden sein soll und sogar dazu beitragen kann, die Frage des möglichen Lebens darauf zu beatworten, habe ich ihr geglaubt. Und bekam sogar Kontakt zu einem Wissenschaftler, der an den NASA Untersuchungen teilgenommen hat. Ich zögerte nicht lange und machte mich auf den Weg zu Pavel Rückel.

Auf akademischen Boden

Obwohl ich direkt auf dem Feld viel über die Kugeln erfahren habe, es blieben viele unbeantwortete Fragen übrig. Aus der geologischen Sicht sind die Kugeln ein Objekt, dass im Tertiär durch Synergie der vulkanischen Tätigkeit und des in Sandsteinporen vorhandenen Wassers entstanden ist. Solche Formationen, die durch sekundäre Füllung des Raums der Poren mit einem neunen Mineral entstanden sind, nennen die Geologen Konkretionen. Deren runde Form ist im diesen Fall das Ergebnis einer symmetrischen Kondensation der Eisenverbindungen Goethit und Hämatit um den Kern der Konkretion. Die Sturmkugeln sind innen nicht homogen, sondern haben bis zu sechs Schichten, wobei die Mitte vollständig frei von Eisenmasse sein kann. Der gesamte natürliche Prozess der Entstehung verlief so, dass geschmolzenes Magma mit Beimischung eisenhaltiger Minerale in Form von Adern in den Sandstein eingedrungen ist.  Die aus dem Magma freigesetzten eisenreichen Lösungen reagierten mit dem in Sandstein enthaltenen Oxidationswasser. Und dieses Vermischen der beiden Wassertypen zwang das Eisen aus den Lösungen zur Ausfällung. Infolgedessen bildeten sich die Eisenkonkretionen, sogenannte Sturmkugeln. „Man muss betonen, dass es nicht möglich ist, dass diese Konkretionen ohne Wasser entstehen könnten,“ weist Pavel Rückel auf das wichtige Detail hin. „Ähnliche Konkretionen beschrieb das Raumschiff Opportunity, als es Anfang 2004 auf dem Mars landete. US experten haben diese zuerst mit denen aus Colorado Plateau verglichen, doch die Untersuchungen ergaben, dass die amerikanische Kugel bei deren Entstehung mit Erdöl konfrontiert wurden und deshalb aus geologischer Sicht nicht „rein“ sind. Im Gegenteil dazu sind die Kugeln aus Prysk rein und somit geeignet für die Untersuchungen.  Zu der Zusammenarbeit zwischen ČR und NASA kam es aber leider doch nicht. „Ich habe mit den Forschern aus NASA gesprochen und habe ihnen auch die Fundstellen gezeigt,“ sagt Pavel Rückel, „obwohl unsere Kugeln geeignet waren, wurde in der Zwischenzeit ein weiteres Experiment durchgeführt, um Wasser auf Mars mittels Anhydrids zu bestätigen. Und als sich dieser als positiv herausstellte, ist das amerikanische Interesse verschwunden.“ Das ändert aber nichts daran, dass wir in der Region Česká Lípa ein Weltunikat haben, dessen Bedeutung sogar die Grenzen unseres Planeten überschreitet.