NEWSLETTER 01/2018

Aus dem Projekt

Turnov 17.9.-21.9.2018, Sommerschule „Verschiedene Gesichter der Gesteine“

Mitte September verlief während des herrlichen Altweibersommers diesjährige größte Projektveranstaltung – geologische Sommerschule zum Thema „Verschiedene Gesichter der Gesteine“. Deren Organisation haben wir in die befugtesten Hände, in die Hände unserer Kollegen aus dem Lehrstuhl der Geografie der Technischen Universität in Liberec anvertraut. Zwanzig tschechische und deutsche Teilnehmer aus dem Reihen der Geologiestudenten, Museumsmitarbeiter und Geologieliebhaber lernten unter Führung erfahrener Lektoren die Grundlagen der Sammeltätigkeit und geographischen Informationstechnologien. Zum Mittelpunkt der Geschehnisse wurde das zauberhafte Blockhaus „Domeček“ des Museums Turnov, wo die Präsentationen, Vorlesungen und auch die praktischen Arbeiten der Sommerschulteilnehmer an den Story Maps stattfanden. Geologische Ausflüge und Spaziergänge in der Umgebung von Turnov führten die Teilnehmer binnen drei Tagen zu verschiedensten Typen der Gesteine der Umgebung von Liberec, von Sandstein bis zu Granit. Ein untrennbarer Teil der Arbeit im Gelände war praktische Training des Sammelns der Gesteinsproben für die Sammlung und Datenerfassung für die Story Map. Aber außerdem hatten die Teilnehmer auch die einzigartige Möglichkeit das Schwenken der böhmischen Granate und Olivine ausprobieren, und als Sahnetüpfchen am letzten Tag im Gelände auch eigene Fossilien zu finden. Der Abschlusstag war der Präsentation der Sammlungen und der entstandenen Karten der einzelnen zweisprachigen Gruppen der Teilnehmer gewidmet. Das Niveau der präsentierten Karten wurde von den anwesenden Fachleuten sehr geschätzt und die Gesteinssammlungen erwartet ein buntes Schicksal. Manche davon behalten die Teilnehmer als ein Teil deren privaten Sammlungen, ein Teil wird im Nordböhmischen Museum in Liberec für die Geologische Olympiade dienen und einen Teil nutzen die Kollegen aus der Technischen Universität Liberec bei dem Unterricht nutzen.

Weitere Veranstaltungen:

13.12.2018Workshop „Moderne Technologien und Geologie II.“, Hamr na Jezeře

13.2.2019 Konferenz „Geoparks und die nachhaltige Entwicklung der Region“, Senckenberg Museum Görlitz

Text und Foto: Pavla Růžičková

NEWSLETTER 01/2018

Von Kurort Lázně Kundratice über verschwundene Dörfer bis zum Felsentheater

Unser Ausflug beginnt in Lázně Kundratice – einem Kurort, der ungefähr 1 km südwestlich vom Ort Osečná liegt. Die Ortschaft wurde durch die Bäder berühmt, eine der ältesten in der Tschechischen Republik, die zur Heilung des Bewegungsapparates auch das traditionelle schwefel-eisenhaltiges Moor nutzen. Außer des Kurortes fällt sicherlich auch der Teich auf, an dessen Ufer oft die Biberratten zu sehen sind. Südöstlich vom Teich liegt der Mannswald, den wir auf Knüppeldämmen durchqueren und vorübergehendes Torfmoor mit Birkengehölz bis feuchten Erlengehölz bewundern können. Ein schöner Stopp ist auch die Aussicht des Müllers Enterich. Aus Lázně Kundratice begeben wir uns an der kleineren Asphaltstraße zum Süden – nach Podvrší, wo wir rechts abbiegen. Hier haben wir uns den rotmarkierten Wanderweg angeschlossen. Wir folgen den Weg ungefähr 0,5 km in Richtung Westen und dann biegen wir links ab – auf den Weg zur Aussicht Krásná vyhlídka. Der Weg zur Aussicht ist etwa 1 km lang und ist es wirklich wert. Aus Krásná vyhlídka eröffnet sich nämlich eine Aussicht vom Ralsko bis zum Malý Ještěd. Wie an der Hand sehen wir Chrastenský vrch, Děvín oder Hamerský Špičák, Berge, die an vulkanischen Adern entstanden sind, sowie auch den Sandsteintafelberg Široký kámen.

Die Aussicht Krásná vyhlídka an sich ist eine Sandsteinfelsenlandzunge und hat die Gestalt einer zweistufigen Terrasse getrennt durch zwei markante Felsen. Nachdem wir die Aussicht genossen haben, gehen wir denselben Weg zurück, aber nach zirka 400 m, als der Weg nach links führt, biegen wir rechts ab. Auf einem kleineren Pfad kommen wir nach 400 m in einen Sattel zwischen Ocasovský und Lázeňský vrch. Dann gehen wir immer geradeaus, in die Richtung des ehemaligen Dorfes Holičky (Hultschken). Holičky war eine Ortschaft, in der z.B. im Jahre 1924 ganze 152 Bewohner lebten. Im Dorf standen 35 Häuser, unter anderen zwei Gasthäuser, ein Geschäft mit Wildlederware, eine Schmiede oder eine Tischlerei. Wir gehen aus Holičky auf der Asphaltstraße nach Westen. Zuerst über geräumige Weiden, bis wir etwa nach 600 m den Wald erreichen. In diesem Wald, ca. 0,5 km vom Berg Kalich (439 m), ist auch ein alter Brunnen, aus deren die Einwohner eines weiteren verschwundenen Ortes Wasser trugen – aus Černé Noviny (Schwarzwald). Der Brunnen ist aus Sandsteinquader, hat eine Gewölbedecke und über den Eingang ist die Jahreszahl 1858 gemeißelt. Zu Zeit ist der Brunnen leider ausgetrocknet.

Wir wandern weiter auf dem Weg nach Nordwesten, treten aus dem Wald heraus und nach einigen hundert Metern biegen rechts ab – zum Felsentheater. Dieses im Wald verstecktes Felsenstädtchen ist nicht zu übersehen. Es handelt sich um Felsen, die im Halbkreis stehen und beim Blick von oben an ein echtes Felsenamphitheater erinnern. Die größte hiesige geomorphologische Merkwürdigkeit ist ein echtes Felsentor in einem der Felsenblöcke. Das sogenannte Schwarzwaldstor erinnert an das verschwundene Dorf Schwarzwald (Černá Novina), welches in der Nähe lag. Das Felsentor ist 3,5 m breit, 2 m hoch und die Stärke des perforierten Felsenblocks ist etwa 1,5 m. Es ist aber nicht die einzige Merkwürdigkeit im Felsentheater. Ein weiterer geologischer Leckerbissen sind die sgn. eiserne Balken, deren Gestalt an wirkliche versteinerte Bäume erinnert. Es handelt sich um stark ferritisch zementierte Sandsteine. Wir können hier weiter Salzblumen, Spuren der Bioerosion (Gänge der solitären Bienen) oder wesentlich grobkörnigen Sandstein bewundern.

Vom Felsentheater folgen wir den grünmarkierten Wanderweg nach Norden. Nach 1,5 km kommen wir zur Kreuzung unter Děvín. Wer noch bei Kräften ist, kann auch den Berg Děvín steigen – zur Burgruine aus dem 13. Jahrhundert. Bei dem Weg zur Burgruine ist eine weitere große geologische Merkwürdigkeit zu bemerken. Bis auf die Erdoberfläche kommt hier die echte vulkanische Ader und wir können den Kontakt mit umliegenden Sandsteinen bewundern. Die rote Farbe der Sandsteine beweist einen hohen Eisenanteil. Auf dem Kontakt der vulkanischen Ader sehen wir auch den Eingang in einen der Děvín Stollen, in denen früher Eisenerz gefördert wurde. Wer keine Kräfte übrig hat, der kann sofort auf den rot markierten Weg von der Kreuzung unter Děvín nach Nordwesten gehen, an den Děvín Teich vorbei und weiter zum Chrastenský Wasserfall (ca. 2 km). Dieser Wasserfall entstand nach den Daten des Touristenklubs KČT im 16. Jahrhundert durch Ablenkung eines Teils des Flusses Ploučnice (Polzen) in den Hamer Teich. Der Wasserfall, oder eher eine Kaskade, ist einige Meter hoch. Vom Wasserfall gehen wir auf den roten Wanderweg weiter nach Osten, bis wir nach weiteren 2 km nach Podvrší kommen, wovon es nach Lázně Kundratice nur noch ein Stückchen ist.

1 Sandsteinlandeszunge Krásná vyhlídka.

2 Schwarzwaldtor im Felsentheater.

3 Wasserfall Chrastenský.

Text und Foto: Dominik Rubáš

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Buch Přírodní klenoty Podještědí von Dominik Rubáš

Vor einigen Monaten erschien ein neues Buch von Dominik Rubáš mit dem Titel Přírodní klenoty Podještědí – Naturjuwelen aus der Gegend unter Ještěd. Auf 368 Seiten sind mehrere hundert Naturschönheiten beschrieben, die in der Region zwischen Turnov, Liberec, Jablonném v Podještědí und Mnichovým Hradištěm liegen. Ein großer Teil davon ist außerdem auf Fotografien abgebildet. Außer fast achthundert bunten Fotos enthält das Buch auch Illustrationen und Gedichte über die Landschaft unter Ještěd. Ein Teil der Publikation sind Ergebnisse der Wasseranalysen von fünfzehn Quellen oder ein Wörterbuch der geologischen und geomorphologischen Begriffe. Ergänzt von sieben zweiseitigen Landkarten mit markierten Lagen der ausgewählten interessanten Lokalitäten, vereinfachte geologische Landkarte und 3D Blicke aus dem schattierten Model des Reliefs der ČR. Das Buch kann als bildhafter Reiseführer für die malerische Landschaft unter Ještěd und den nordöstlichen Teil des Geoparks Ralsko dienen. Es bringt Freude für alle, denen diese Gegend auf Herzen liegt, sowie denen, die sie erst erkunden möchten.

Das Buch kann man direkt beim Autor oder in ausgewählten Buchhandlungen kaufen, deren Liste sie auf den Webseiten finden: www.prirodapodjestedi.cz.

Text und Foto: Dominik Rubáš

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Stein war im meinem Leben immer ein Thema – Gespräch mit Anja Köhler

Das unauffälliges, aber äußerst interessantes Granitabbaumuseum in Königshain haben wir im Rahmen eines Projekt-Geländeworkshops zum Thema Granit besucht. Durch die Museumsammlungen führte uns Anja Köhler, eine zierliche und energische Frau, deren Vortrag derartig überwältigend war, dass Sie bald Interesse von wirklich Allen weckte. Man konnte merken, dass Ihr das Thema am Herzen liegt, Sie erzählte über die schwere Arbeit im Steinbruch als würde Sie das Museum nur kurz während der Schichtpause besuchen. Wir haben Sie deshalb um ein Gespräch gefragt, uns interessierte die Frau, deren Leidenschaft die Geologie und ein längst geschlossener Steinbruch ist…


Wie kommt eine junge Frau zur Geologie?
Ich habe mich schon in der Schule für Geologie interessiert und hatte eine kleine Steinsammlung. Allerdings muss ich gestehen, war die Geologie nicht das oberste Interessengebiet, sondern eines von vielen. Als ich dann mit dem Studium der Museologie (Museumswissenschaften) fertig war, bekam ich eine Stelle in meiner Heimat, im Landkreis Görlitz, beim Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund. Zum Museumsverbund zählen das Dorfmuseum Markersdorf, das Ackerbürgermuseum Reichenbach, das Schloss Krobnitz und das Granitabbaumuseum Königshainer Berge. Als 2010 der Verantwortliche für das Granitabbaumuseum Königshainer Berge in Rente ging, meinte mein damaliger Chef, dass ich die perfekte Besetzung dafür wäre. Man kann also sagen, dass es eher Zufall war, dass ich bei der Geologie hauptberuflich gelandet bin. Aber in unserem Museum geht es um viel mehr, als um Geologie.

Das Museum ist mit Liebe zum Detail eingerichtet, könnten Sie beschreiben, wie es entstanden ist?
1995/96 wurde das Granitabbaumuseum Königshainer Berge vom Heimatverein Königshain und interessierten Steinarbeitern gegründet. Es war die Ergänzung zum bereits seit 1992 bestehenden Natur- und Steinbruchlehrpfad. Anfangs spielte die Geologie überhaupt keine Rolle im Museum. Es ging vielmehr um die Verarbeitung des Granits, der in Königshain zwischen 1844 und 1975 geschlagen worden ist. Da ehemalige Steinarbeiter an der Gestaltung des Museums mitgearbeitet haben, sind viele Objekte dort gelandet, die einen persönlichen Bezug haben.

War es schwierig, die vielen Exponate zu beschaffen?
Als ich 2010 das Museum übernahm, war die Ausstellung schon recht veraltet, da seit der Museumsgründung 1995/96 nichts mehr daran gemacht worden ist. Auch die historische Forschung war nicht mehr auf dem neuesten Stand und längst nicht alle verfügbaren Quellen waren ausgewertet worden. Also habe ich mich daran gemacht, eine neue Dauerausstellung zum Bereich des Soziallebens der Steinarbeiter zu konzipieren. Diese wurde 2012 eröffnet. Hierbei kam mir zugute, dass mein Großvater selbst Steinarbeiter in Königshain war und ich deshalb viele Steinarbeiter seit meiner Kindheit kannte. Unterstützung erhielt ich auch von den Hilfskräften im Museum, die alle aus Königshain stammen und so viele Türen öffnen konnten. Auf diesen Wegen kamen auch viele der Exponate, die heute im Museum zu sehen sind, ins Haus. Ein Teil der Objekte lag viele Jahrzehnte bei Leuten auf dem Dachboden und erst aufgrund der Neugestaltung der Dauerausstellung haben sie wieder an die Stücke gedacht und diese dann oft als Schenkung, teilweise auch als Leihgabe ins Museum gebracht.
2013 folgte dann der zweite Teil der Dauerausstellung, der sich mit der Geologie der Königshainer Berge beschäftigt. Dieser Teil wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Senckenbergmuseum Görlitz gestaltet. Auch ein Großteil der Objekte kommen aus dem Senckenbergmuseum, da wir selbst leider gar keine geologische Sammlung haben. Das war bis 2013 einfach kein Sammlungsschwerpunkt des Museums. Die Dauerausstellung „Geologie in den Königshainer Bergen“ beschäftigt sich mit dem Königshainer Granit, der in 2 Sorten vorliegt: der blaue und der gelbe Granit. Wir erläutern die Entstehung und zeigen auch, welche granitischen Gesteine sich rund um die Königshainer Berge befinden. Diese werden allgemein immer als Lausitzer Granit bezeichnet, obwohl sie eigentlich Granodiorit sind. Außerdem können sich die Besucher selbst als Granitbestimmer versuchen. Verschiedene Lausitzer Granodiorite und Granite liegen bereit, um mit der Lupe untersucht und bestimmt zu werden.
Die Großgeräte, die auf dem Gelände und dem Lehrpfad zu sehen sind, kommen ursprünglich nicht aus Königshain bzw. nur ein oder zwei davon. Diese Großgeräte wie Steinsägen, Laufkatzen, Kipploren etc. kommen aus Demitz-Thumitz bzw. Löbau und waren dort nach der Schließung der dortigen Unternehmen übrig. Sie sollten verschrottet werden. Das wollte der damalige Museumsleiter nicht zulassen und hat sie nach Königshain geholt.
Also, ja, man kann sagen, es war einigermaßen schwierig Objekte für das Museum zu beschaffen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass nach der Schließung der Steinbrüche 1975 alles verschrottet bzw. entsorgt wurde, was in Königshain zum Steinbruchbetrieb gehörte. Das betraf Maschinen ebenso wie Aktenmaterial.

Ich war von der Geschichte Ihres Opas angetan, haben sie ihm noch bei der Arbeit miterlebt?
Mein Opa war seit 1955 im Steinbruch tätig. Er stammte aus Laurahütte/ Siemanowice in Oberschlesien und kam nach langer Gefangenschaft in Rußland und unter enormen Schwierigkeiten Mitte der 1950er Jahre nach Königshain, wo schon der Rest seiner Familie lebte. Bis 1975 war er in den Königshainer Steinbrüchen als sogenannter Spalter und Bohrer tätig, d.h. er hat am Pressluftbohrer gearbeitet. Bis Anfang der 1980er Jahre hat er dann in den Steinbrüchen in Arnsdorf gearbeitet. Ich bin geboren worden, als mein Opa bereits Rentner war, habe ihn also nicht mehr selbst im Steinbruch erlebt. Aber natürlich waren die Steinbrüche immer ein Thema. Meine Großeltern haben bis 1994 in einem Steinbruchhaus gewohnt. Die Steinbruchbetriebe hatten Werkswohnungen, die für die Steinarbeiter da waren. In einer solchen Wohnung ist meine Mutter und teilweise auch ich aufgewachsen. Sie lag in unmittelbarer Nähe zum Steinbruchgebiet und so waren die Steinbrüche immer ein Teil meines Lebens. Meine Großeltern waren mit vielen Steinarbeitern befreundet und so gehörten Geschichten vom „Bruch“ immer mit dazu. Heute bin ich über jedes Bild auf dem mein Opa ist, das ich finde glücklich.

Hat er Ihnem noch zeigen können, wie man per Hand einen Pflasterstein haut? Haben Sie es mal ausprobiert?
Da mein Opa kein „Hundlschläger“, als Pflastersteinschläger war, konnte er das auch nicht. Eigentlich war er ausgebildeter Ofensetzer und hat den Beruf des Steinarbeiters ergriffen, weil es in Königshain keine andere Arbeit gab. Er war also quasi „ungelernt“. Pflastersteinschläger lernt man nicht einfach, das ist eine Berufung und viele Familien haben das über Generationen ausgeübt. Ich habe schon oft versucht, Granit zu spalten, scheitere aber immer kläglich daran. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich kein Geologe bin, sondern Museologe – wir erhalten Dinge und machen sie nicht kaputt 😉

Im Leben der früheren Generationen spielte Natur und auch Gestein eine wichtige Rolle. Interessiert es heute noch jemanden?
Ich denke schon, dass die Themen Natur und Gestein immer noch wichtig sind und auch wieder mehr Menschen interessieren. Wir haben im Jahr etwa 1.000 bis 1.500 Besucher, was für uns sehr gute Zahlen sind. Immerhin haben wir nur zwischen Mitte/ Ende April und Ende Oktober geöffnet. Vor allem Schulklassen kommen zu uns, um etwas über die heimische Erdgeschichte zu erfahren und über die schwere Arbeit im Steinbruch. Dabei sind es nicht nur Grundschulklassen, sondern auch Oberschulen und Gymnasien. Aber auch viele Erwachsene kommen und sind immer wieder sehr beeindruckt, was Arbeit früher bedeutete. Das ist das schönste an dieser Arbeit: zu sehen, wie sich anfängliches Desinteresse in Interesse wandelt.

Das Granitabbaumuseum Königshainer Berge ist geöffnet Mi – Fr 10.00 – 14.30 Uhr und Sa/ So/ Feiertags 14.00 – 17.00 Uhr

Besucheranschrift:
Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund gGmbH
Granitabbaumuseum Königshainer Berge
Dorfstraße 163b
02829 Königshain

Postanschrift:
Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund gGmbH
Elisabethstraße 40
02826 Görlitz

Foto: Pavla Růžičková

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Mit einem Geologen in die Natur

Falls Sie je zu einem Spaziergang in die Natur mit einem Biologen, oder sogar Geologen, eingeladen werden, zögern Sie keinen Augenblick. Sie werden nämlich die Welt mit anderen Augen sehen und entdecken Sachen, über die Sie keine Ahnung hatten.  Genauso war auch der Spaziergang mit Peter Mužák durch das Tal des Flusses Rokytka. Wir hatten kaum die nächste Umgebung von dem bekannten Ort Kryštofova údolí verlassen und haben trotzdem überraschende neue Plätze entdeckt.

Erster Stopp war direkt hinter der Straßenbrücke, der Geologe und Führer verlies die Straße und begann unerschrocken in den Hang über dem Bach klettern. Die Besucher folgten ihm und in einer Weile bückten sich die ersten um Steine zu Sammeln. Also eher solche Konglomerate, die auch ersten Blick wie Beton- oder Mörtelreste aussehen. Aber ganz im Gegenteil, es handelt sich um Kalktuff, eine Travertin Art, der durch Kondensation und Ablagerung des gelösten Kalkes entsteht. Aus der chemischen Sicht handelt es sich um Calciumkarbonat, manchmal gemischt mit weiteren Mineralen. Zur Entstehung der Kalktuffe trägt deutlich Flora bei, die aus dem Wasser Kohlenstoffdioxid entfernt und das Wasser reagiert mit Kondensation des Kalkes. Der lagert sich schnell an Zweigen, Steinchen und lebendigen Pflanzen ab, umhüllt sie nach und nach und füllt auch den Zwischenraum aus. Die zuerst zerbrechliche Masse wandelt schrittweise in einen porösen Stein, den wir von dekorativen Travertin Verkleidungen und Pfeifenköpfen. An de besuchten Ort stürzte das Kalktuffgebilde vor kurzem in den Bach ab, doch unter der Führung des Geologen finden Kalktuffstückchen auch mit Pflanzenresten wirklich alle Teilnehmer.

Unser zweiter Stopp war nur ein paar Dutzend Meter entfernt, unsere Expedition überquerte nur die Straße in den Wald. Kaum haben sich die Augen an den Waldschatten gewöhnt, nehmen die Schatten in Folge der Erklärungen des Leiters die Gestalt eines Steinbruchs an. Was man sonst übersehen würde, bekommt nun eine neue Form – gerade hier befanden sich die Clamm-Gallas Kalksteinbrüche. Nun kommt aber auch der anwesende Speläologe zum Wort und beschreibt die Karsthöhlen, die sich hinter dem unauffälligen Felsengebilde befinden. Er zeigt Fotografien, handgemalte Höhlenpläne und zuletzt auch einen herrlichen Tropfstein. Sollte sich aber jemand für die Schönheit begeistern und würde sich gerne in die Tiefe begeben, die kommende Information kühlt die Begeisterung mit Sicherheit ab – die Gänge sind teilweise nur 60 cm breit. Die Besucher sind sich einig – Speläologie ist sicherlich eine schöne Wissenschaft, doch die Speläologen selbst sind etwas wie eine exotische Tierart.

Da fängt aber unserer Leiter Geologe und Biologe in einer Person über einen dörren Ast auf kleiner Waldlichtung zu jubeln. Er identifiziert darin eine verblühte kostbare Orchidee. Für die, die vielleicht nicht genügend Fantasie haben sollten, zaubert er aus seinem Rucksack großformatige Bilder der Pflanze in voller Blüte hervor und präsentiert diese begeistert neben dem trockenen Stängel. Folgend entdecken und finden auch andere Teilnehmer verblühte Orchideen in der Nähe. Es gibt sie hier wirklich. Was für eine Kostbarkeit. Was für eine Schönheit. Man muss eben nur wissen, was und wo man suchen soll.

Höher auf dem Weg der in den Wald führt kommen wir zu einer Stelle, wo auch ungeübtes Auge die Spuren der menschlichen Tätigkeit entdeckt. Wir sind an der Stelle einer historischen Vitriol Grube „Zeche“ aus dem 16. Jahrhundert. Es folgt eine weitere spannende Erläuterung über den Bergbau und den schweren Leben der Bergleute in der Vergangenheit. Kaum jemand von den anwesenden Teilnehmern kann sich nur vorstellen, in den engen Stollen zu arbeiten und während einer zehnstündigen Arbeitszeit nur 6 Zentimeter weiteren Stollen mit der Hand schlagen zu müssen. Im Schatten des Waldes erklärt der Führer noch die Funktion des Stollenrads und des Abwassersystems.

Nach mehr als drei Stunden verabschieden sich die Besucher und kehren zum Ausgangspunkt zurück. Sie haben kaum 5 Kilometer zurückgelegt, aber sahen und lernten Sachen, die sie ohne den Führer kaum war nehmen würden. Und gerade darin liegt das Zauber der geführten Naturspaziergänge – man gewinnt neue Erlebnisse und Erkenntnisse.

Text: Pavla Růžičková

Foto: Josef Růžička

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Wie entsteht eine Landkarte?

Eine Karte ist, der Definition nach, eine verkleinertes und vereinfachtes Bild Objekte und Erscheinungen auf der Erde, das auf ein Abbildmedium übertragen wurde. Die Karte sollte ein Kartograf in Zusammenarbeit mit weiteren Professionen bilden – mit einem Grafiker und einem Thematiker. Der Thematiker ist die Person, die über externes Wissen zum in der Karte abgebildetes Thema verfügt und ist für den Inhalt der Karte verantwortlich. Der Kartograf dagegen ist für die technische Ausführung der Karte zuständig samt einhalten der Regeln, die die Karte erfüllen soll.

Das Bedürfnis Karten zu bilden ist wohl älter als die Schrift. Die Menschen hatten einfach den Bedarf sich die Orte zu merken, die eine gewisse Bedeutung für sie hatten. Wann genau die ersten Karten entstanden sind, kann man nicht bestimmen. Wahrscheinlich die Weltälteste erhaltene „Landkarte“ stammt aus der Zeit der Mammutjäger (25 000 v. Ch.). Ein Mammutstoßzahn, in den die Karte geschnitzt ist, wurde im südmährischen Pavlov gefunden. Obwohl wir nicht viel über die ersten Schritte der Kartografie wissen, die zeitgenössische Kartografie entwickelt sich stürmisch Hand in Hand mit der Entwicklung der Computertechnologien. Überwiegende Mehrheit der heutigen Kartenproduktion wird mit Hilfe spezialisierten Programme in Computern hergestellt. Kartografie wurde somit ein Teil der sgn. geografischen Informationssysteme (GIS).

Was bedeutet GIS? Es handelt sich um ein Komplex der Programme, Prozesse, Technologien und Menschen, die eine Verwaltung, Analyse und Visualisierung der räumlichen Daten (Daten, die eine Information über einen Standort im Raum tragen) ermöglichen. Und gerade diese drei grundlegenden Schritte, die GIS ermöglichen, braucht man bei der Herstellung einer Landkarte. Zuerst muss man die Daten gewinnen, diese mit Hilfe der Raumanalysen aufbereiten und zum Schluss in die Gestalt einer Karte visualisieren. In unserem Projekt kann man dort und da auf eine Karte antreffen. Eine davon ist die geologische Landkarte der Euroregion Neiße (ERN), die man an unseren Webseiten oder an der Innenseite der Projektmappe vorfindet.

Wie wurde diese Landkarte vorbereitet? Es dauerte wohl länger, als der Leser erwarten würde. Der Beginn einer Landkarteproduktion ist eine Planung der Kartengröße, womit auch der Maßstab der Karte, der Entwurf der weiteren Kompositionselemente wie Legende oder Überschrift der Karte zusammenhängen.  Von dem Maßstab der Karte, der deren Ausführlichkeit bestimmt, wickelt sich die Planung des Karteninhaltes ab. Erst dann folgt die Suche der Geodaten, die unsere Landkarte „auffüllen werden“. Unsere deutschen Kollegen aus dem Senckenbergmuseum haben uns Daten über die Geologie des Mehrheitsanteil des ERN bereitgestellt. Es waren tausende an sich anschließende, nach dem Gesteinstyp in mehr als 250 Kategorien aufgeteilte kleine Flächen. In so großer Zahl der Kategorien würde sich der Kartenleser nur sehr schwierig orientieren. In diesem Punkt musste ein Thematiker in die Kartenproduktion eintreten, dessen Aufgabe es war die Kategorien bis zur Endzahl 31 zu gruppieren. Weiterer Schritt war die Anpassung dieser Daten in eine Form, die den Grenzen der Euroregion entsprechen würde. Die überlappenden Teile wurden abgeschnitten. Im Gegenteil stellen, an denen die Daten für die Euroregion fehlten mussten aus den öffentlichen Quellen „nachgezeichnet“ werden. Die bereitgestellten Daten wurden für eine Karte mit detaillierterem Maßstab hergestellt, als die Karte in Produktion. Aus diesem Grund war es nötig die Daten zu generalisieren – deren Formen vereinfachen und die Flächen, die so klein waren, dass sie nach Druck nicht zu sehen sein würden, mit größeren angrenzenden Flächen zusammenführen. Obwohl wir in der Zeit der Computer und „cleveren Technologien“ leben, wird dieses Prozess mehr oder weniger mit der Methode Versuch/Fehler mehrmals wiederholt, denn es gibt keine einzige richtige Lösung. Jeder Kartograf hat ein anderes Empfinden und andere Wahrnehmung und ist somit mit anderem Resultat zufrieden als ein anderer Kartograf an seiner Stelle sein würde. Ein großer Prüfstein der ganzen Arbeit, wegen dem mehrere Testdrucke gemacht werden mussten, war das Zuordnen der Farben zu einzelnen Kategorien so, damit die Gewohnheiten respektiert und die Farben voneinander unterscheidbar wurden. Obwohl das menschliche Auge tausende Farben unterscheiden kann, die Drucker sind bei weitem nicht so vollkommen. Außerdem muss man die Gewohnheiten der gegebenen Fachrichtung respektieren. Zum Beispiel in der tschechischen Geologie ist es Brauch die Kreideformationen mit Abschattierungen von Geld und tertiäre Vulkanite mit Abschattierungen von Lila kennzeichnen. Der Kartograf darf diese Farben nicht nach seinem Bedenken ändern, denn der Leser könnte das in der Karte falsch lesen und somit inkorrekte Informationen bekommen. Zum Schluss, damit die Karte mehr plastisch wirkt, wurde in die Karte ein schattiertes Terrainrelief eingebettet. Danach konnten schon die restlichen Kompositionselemente wie Legende, Maßstab oder Überschrift beigefügt werden.

Wie man sieht, ist die Arbeit eines Kartografen auf keinem Fall langweilig und monoton. Vielleicht wurde einer oder anderer von euch Lesern überrascht, womit all der Kartograf bei der Arbeit an einer Karte fertig werden muss. Jede Ausgabe muss man einzigartig, handwerklich um mit Vision eingehen, wem und wozu die Karte dienen soll.

1./ Erstes Abbild der geologischen Daten und deren Zuschnitt nach den Grenzen der Euroregion (ERN). Man sieht die Flächen, die mit Daten aus anderen Quellen zu füllen sind, damit das ganze Gebiet bedeckt wird.

2./ Erster Entwurf der Karte. Die Region von Interesse wurde mit fehlenden Daten zur Geologie ergänzt. Einzelne Flächen wurden in eine geringere Anzahl der Kategorien aggregiert. Manche zu winzige Flächen wurden in anliegende Flächen eingegliedert. Die Farben der einzelnen Kategorien wurden an Hand der geologischen Gewohnheiten gewählt. Zum Schluss wurde ein schattiertes Relief hinzugefügt, der die plastische Wirkung der Karte steigert.

3./ Finale Landkarte. Nach grafischer Bearbeitung und Beifügung weiterer Kompositionselemente – Titel, Legende, Maßstab, Logo.

 

Text und Ilustration: Adam Pátek

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Spuren eines Blitzanschlags

Die Sandsteingegend überrascht die Besucher mit bunter Palette Felsformen, die über hunderte tausend Jahren durch Erosionseinwirkung von Wasser, Frost, Wind, anwesender Vegetation, Gravitationszerfall der Felsmassive und fortschreitenden Verwitterungsprozessen gebildet wurden. Ein der weniger üblichen Phänomene, die man bei etwas Glück an den Felsgipfeln entdecken kann sind Fulgurite (von lat. „fulgur“ – Blitz; im Volksmund auch Blitzröhren). Sie entstanden durch einmaligen Blitzeinschlag in den Sandstein. Gerade ausgesetzte Felsmassive und Felstürme sind oft ein Ziel der atmosphärischen Entladungen bei Stürmen.  Blitzröhren sind also eigentlich „Narben“ nach Blitzeinschlag. Am Felsen wirken sie sich aus als ein Stern der Risse, in deren Mitte eine besondere glasige Röhre ist. Beim Blitzeinschlag in den Sandsteinfelsen kann es nämlich zur Verschmelzung der Silikat Partikel kommen, die bei wiederholten  Erstarrung in die Form von ungleichen röhr artigen (oft hohlen) Bildungen von einer üblichen Größe von einigen Millimeter bis zu mehreren Dutzend Zentimetern schmelzen. Sie sind aus einer glasähnlichen versteiften Kieselschmelze gebildet.

Ähnliches Ursprungs wie Fulgurite ist wohl auch die geheimnisvolle Formation genannt „Ohnivec“ = „Feuerling“ im Nationalpark Böhmische Schweiz. Diese wurde in den 90ger Jahren des letzten Jahrhunderts in einer Felsenwand über den Überhang unweit von dem Fluss Kirnitzsch entdeckt. Sie hat eine Gestalt von riesiger Narbe von 130 x 50 cm, aus deren eine Reihe von radial geordneten Rinnen hinauslauft. Die Experten sind der Meinung, dass es sich um fossilen, durch Verwitterung erweiterten Überrest von einem uraltem außergewöhnlich starken linearen oder Kugelblitzes handelt. Sein Alter wird auf mehrere hundert Jahre geschätzt, aber höchstwahrscheinlich sind es sogar mehrere tausend Jahre. Es handelt sich wirklich um einzigartige Felsenform, die nirgends eine ihr ähnliche hat (zumindest wissen wir über keine). Aus dem Grund eines Schutzes vor Vandalen verbleibt der genauer Fundort heimlich. Besucher des Parks aber können ein dreidimensionales Modell des Feuerlings in realen Größe in der Dauerausstellung im Haus der böhmischen Schweiz in Krásná Lípa bewundern.

Abbildung 1: Detail der Blitzröhre gebildet von klaren Sprudelglas, welches durch einmalige Schmelzung der Quarzkörner der entstanden ist.

Abbildung 2: Feuerling

 

Literatur:

  • Cílek Václav, Fullereny i na Pravčické bráně? O různých stopách po úderu blesku. Vesmír 76, 628, 1997/11.

Text: Zuzana Vařilová

Foto: Václav Sojka

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Fossilien aus Písečná

Písečná ist aus Quarzsandsteinen gebildet, die an manchen Stellen bis auf die Oberfläche hinaufsteigen. Diese Felsenvorstoße beinhalten dünne Kalziumeinlagen, an die die zahlreiche fossile Fauna gebunden ist. Die verfolgte Region befindet sich ca. 2 km nördlich von Česká Lípa in einer Meereshöhe von 260–296 m. ü. M. Seine Grenzen bildet vom Nordosten nach Süden der Bach Dobranovský und vom Nordosten nach Südwesten der Bach Šidlovský.  Geomorphologisch ist die Gegend ein Teil der Böhmischen Kreidetafel, Abschnitt Ralská pahorkatina, Gebiet Zákupská pahorkatina, Bereich Českolipská kotlina (Demek 1987). Nach Klein (1993) ist der Bereich aus Sedimenten der Oberkreide gebildet, die in zwei Formationen geteilt werden – die Iser- und Březnofromation.

Im Rahmen der eigenen Beobachtungen ist die Gegend aus feinen und mittelkörnigen Quarzsandsteinen, die Fazies der Quadersandsteine der Iserformation erstellen. Diese Fazies wechseln anschließend dünne Kalksandsteinlagen ab. Den Übergang der Quadersandsteine und Kalziumlagen kann man durch schnelle Distribution von Sandmaterial in Bedingungen der Sedimentation im flachen Meer und gleichzeitig starken episodischen Ereignissen erklären. Man könnte daraus zum Schluss kommen, dass man der Bereich Písečná als eine Flyschzazies bezeichnen kann.  Doch zu dieser Vermutung fehlt der Fakt, dass in dem Gesteinsprofil die  Pelit- und Schluffsteinkomponenten fehlen. Die verfolgte Gegend ist auf Grund der vorgefundenen Fossilien zum obersten Teil des Turoniums einzugliedern.

Die eigene Forschung, verlief 2014-2016, wurde der paläontologischen Charakteristik gewählten Teiles der Umgebung von Písečná gewidmet. Insgesamt wurden 6 Sammellokalitäten erforscht, an denen 15 Spezies der Makrofauna determiniert werden konnten. Ganz neu konnten hier die Muschel Mytiloides scupini, das Moostierchen Petalopora cf. seriata und der Hai Paranomotodon angustidens bestätigt werden. Mit den historischen Funden sind aus der genannten Lokalität insgesamt 29 Spezies bekannt.

Im Rahmen der Forschung ging es auch um Bestimmung der paläoökologischen Charakteristik der Lokalität. Von den sogenannten Indexfossilien wurde die Muschel Mytiloides scupini determiniert, die in Kommunitäten auf dem Meeresgrund lebte. Die Art hat eine rundliche Schalenform, eine breite Skala der ökologischen Adaptabilität und kann zur Epifauna gezählt werden. Pectinidae, Limidae und Entoliidae gehören zu den häufigsten Familien die in der Lokalität Písečná gefunden worden sind. Es handelt sich um Arten, bei deren Lebensart die morphologischen Merkmale eine große Rolle spielten. Die Lebensstrategie war vorzüglich die Epifauna. Sie lebten meistens frei am Meeresgrund, in den sie kleine Mulden gruben. Sie gehörten auch zu Tierarten, die schwimmen konnten. Vor allem die Formen mit Rippen (Kammmuscheln) hatten eine Fähigkeit einer schnellen Flucht vor Prädatoren. Manche Arten haben auch frei im Wasser geschwebt (z.B. Entolium). Zu den letzten gefundenen Muscheln gehören Vertreter der Familie Gryphaeidae. Es handelt sich meistens um Austern, sehr tolerante, am Meeresboden sitzende Organismen. Sie konnten auch in der Zone zwischen Ebbe und Flut leben, wo sie sich von Phytoplankton ernährt haben

Von den weiteren Makrofauna Funden kann man die Art Anomia pseudoradiata nennen, die zur am Meeresgrund sesshafter Epifauna gehört und sitzt vor allem auf grobkörnigen Felsenuntergrund oder auf den Schalen anderer Muscheln. Vertreter dieser Art können in starken Strömungen leben. Kommen aber vor in den flachen Teilen des Meeres. Zu der Unterlage sind sie mit dem sogenannten Byssus oder auch Muschelseide verbunden. Auch die Gattung gehörte zu der bentosen Paläogesellschaft, die befestigt zum festen Substrat lebte.  Meistens treffen wir sie direkt an den Muschelschalen an.  Im Wasser wirkte sie als Mikrofiltrator an der Küstenzone. Sehr interessant ist auch der Fund des Moostierchen aus der Gattung Petalopora, die zur immobilen Arten gehört, sesshaft am Felsen lebten und mit der Zeit aufrechte Kolonien bildeten. Trotzdem gehört zu den bedeutungsvollsten Funden der Zahn des Haies Paranomotodon angustidens. Es gehört zu den räuberischen Formen der aktiv beweglichen Lebewesen. Sie lebten an der Grenze zu offenem Meer und der artvielfaltigen Küstenzone, jagten mal auch in der Bucht. Aller letzte Art war der Krebs Protocallianassa antiqua, der im schlammigen Meeresboden des Wattenmeers in den Gezeitenbereich lebte.  Seine Lebensart wird als Aasfresser bezeichnet, aber man kann ihn zu gelegentlichen Raubtieren reihen. Die Art gehört zur Infauna, aber dank der Lebensstrategie auch zur beweglichen Epifauna.

Die vorgefundene Paläogesellschaft wurde als eine autochthone orictocoenosis bezeichnet. Die Umgebung wurde als eine proximale Tempestitfazies der sublitoralen bis litoralen Zone mit Übergängen in tieferes Neritikum bezeichnet. Alle determinierte Makrofossilien wurden nach Präparation in den Sammlungen des Museums Vlastivědné muzeum a galerie in Česká Lípa deponiert. Im Rahmen der paläontologischen Forschung entstand auch ein Artikel (Mužák 2017), mit mehr Details über die Likalität Písečná.

Literatur:

  • Demek J. (ed.) 1987: Hory a nížiny. Zeměpisný lexikon ČSR. 1. Ausgabe. Praha, Academia, 584 pp.
  • Klein V. (ed.) 1993: Geologická mapa ČR. List 02 – 42 Česká Lípa 1:50 000. Český geologický ústav Praha.
  • Mužák (2017): Fosilie z Písečné u České Lípy. Vlastivědný sborník Bezděz. Jahrgang 26, s. 175-199. ISSN 1211-9172.

Text und Foto: Petr Mužák