NEWSLETTER 01/2018

Fossilien aus Písečná

Písečná ist aus Quarzsandsteinen gebildet, die an manchen Stellen bis auf die Oberfläche hinaufsteigen. Diese Felsenvorstoße beinhalten dünne Kalziumeinlagen, an die die zahlreiche fossile Fauna gebunden ist. Die verfolgte Region befindet sich ca. 2 km nördlich von Česká Lípa in einer Meereshöhe von 260–296 m. ü. M. Seine Grenzen bildet vom Nordosten nach Süden der Bach Dobranovský und vom Nordosten nach Südwesten der Bach Šidlovský.  Geomorphologisch ist die Gegend ein Teil der Böhmischen Kreidetafel, Abschnitt Ralská pahorkatina, Gebiet Zákupská pahorkatina, Bereich Českolipská kotlina (Demek 1987). Nach Klein (1993) ist der Bereich aus Sedimenten der Oberkreide gebildet, die in zwei Formationen geteilt werden – die Iser- und Březnofromation.

Im Rahmen der eigenen Beobachtungen ist die Gegend aus feinen und mittelkörnigen Quarzsandsteinen, die Fazies der Quadersandsteine der Iserformation erstellen. Diese Fazies wechseln anschließend dünne Kalksandsteinlagen ab. Den Übergang der Quadersandsteine und Kalziumlagen kann man durch schnelle Distribution von Sandmaterial in Bedingungen der Sedimentation im flachen Meer und gleichzeitig starken episodischen Ereignissen erklären. Man könnte daraus zum Schluss kommen, dass man der Bereich Písečná als eine Flyschzazies bezeichnen kann.  Doch zu dieser Vermutung fehlt der Fakt, dass in dem Gesteinsprofil die  Pelit- und Schluffsteinkomponenten fehlen. Die verfolgte Gegend ist auf Grund der vorgefundenen Fossilien zum obersten Teil des Turoniums einzugliedern.

Die eigene Forschung, verlief 2014-2016, wurde der paläontologischen Charakteristik gewählten Teiles der Umgebung von Písečná gewidmet. Insgesamt wurden 6 Sammellokalitäten erforscht, an denen 15 Spezies der Makrofauna determiniert werden konnten. Ganz neu konnten hier die Muschel Mytiloides scupini, das Moostierchen Petalopora cf. seriata und der Hai Paranomotodon angustidens bestätigt werden. Mit den historischen Funden sind aus der genannten Lokalität insgesamt 29 Spezies bekannt.

Im Rahmen der Forschung ging es auch um Bestimmung der paläoökologischen Charakteristik der Lokalität. Von den sogenannten Indexfossilien wurde die Muschel Mytiloides scupini determiniert, die in Kommunitäten auf dem Meeresgrund lebte. Die Art hat eine rundliche Schalenform, eine breite Skala der ökologischen Adaptabilität und kann zur Epifauna gezählt werden. Pectinidae, Limidae und Entoliidae gehören zu den häufigsten Familien die in der Lokalität Písečná gefunden worden sind. Es handelt sich um Arten, bei deren Lebensart die morphologischen Merkmale eine große Rolle spielten. Die Lebensstrategie war vorzüglich die Epifauna. Sie lebten meistens frei am Meeresgrund, in den sie kleine Mulden gruben. Sie gehörten auch zu Tierarten, die schwimmen konnten. Vor allem die Formen mit Rippen (Kammmuscheln) hatten eine Fähigkeit einer schnellen Flucht vor Prädatoren. Manche Arten haben auch frei im Wasser geschwebt (z.B. Entolium). Zu den letzten gefundenen Muscheln gehören Vertreter der Familie Gryphaeidae. Es handelt sich meistens um Austern, sehr tolerante, am Meeresboden sitzende Organismen. Sie konnten auch in der Zone zwischen Ebbe und Flut leben, wo sie sich von Phytoplankton ernährt haben

Von den weiteren Makrofauna Funden kann man die Art Anomia pseudoradiata nennen, die zur am Meeresgrund sesshafter Epifauna gehört und sitzt vor allem auf grobkörnigen Felsenuntergrund oder auf den Schalen anderer Muscheln. Vertreter dieser Art können in starken Strömungen leben. Kommen aber vor in den flachen Teilen des Meeres. Zu der Unterlage sind sie mit dem sogenannten Byssus oder auch Muschelseide verbunden. Auch die Gattung gehörte zu der bentosen Paläogesellschaft, die befestigt zum festen Substrat lebte.  Meistens treffen wir sie direkt an den Muschelschalen an.  Im Wasser wirkte sie als Mikrofiltrator an der Küstenzone. Sehr interessant ist auch der Fund des Moostierchen aus der Gattung Petalopora, die zur immobilen Arten gehört, sesshaft am Felsen lebten und mit der Zeit aufrechte Kolonien bildeten. Trotzdem gehört zu den bedeutungsvollsten Funden der Zahn des Haies Paranomotodon angustidens. Es gehört zu den räuberischen Formen der aktiv beweglichen Lebewesen. Sie lebten an der Grenze zu offenem Meer und der artvielfaltigen Küstenzone, jagten mal auch in der Bucht. Aller letzte Art war der Krebs Protocallianassa antiqua, der im schlammigen Meeresboden des Wattenmeers in den Gezeitenbereich lebte.  Seine Lebensart wird als Aasfresser bezeichnet, aber man kann ihn zu gelegentlichen Raubtieren reihen. Die Art gehört zur Infauna, aber dank der Lebensstrategie auch zur beweglichen Epifauna.

Die vorgefundene Paläogesellschaft wurde als eine autochthone orictocoenosis bezeichnet. Die Umgebung wurde als eine proximale Tempestitfazies der sublitoralen bis litoralen Zone mit Übergängen in tieferes Neritikum bezeichnet. Alle determinierte Makrofossilien wurden nach Präparation in den Sammlungen des Museums Vlastivědné muzeum a galerie in Česká Lípa deponiert. Im Rahmen der paläontologischen Forschung entstand auch ein Artikel (Mužák 2017), mit mehr Details über die Likalität Písečná.

Literatur:

  • Demek J. (ed.) 1987: Hory a nížiny. Zeměpisný lexikon ČSR. 1. Ausgabe. Praha, Academia, 584 pp.
  • Klein V. (ed.) 1993: Geologická mapa ČR. List 02 – 42 Česká Lípa 1:50 000. Český geologický ústav Praha.
  • Mužák (2017): Fosilie z Písečné u České Lípy. Vlastivědný sborník Bezděz. Jahrgang 26, s. 175-199. ISSN 1211-9172.

Text und Foto: Petr Mužák