NEWSLETTER 01/2018

Stein war im meinem Leben immer ein Thema – Gespräch mit Anja Köhler

Das unauffälliges, aber äußerst interessantes Granitabbaumuseum in Königshain haben wir im Rahmen eines Projekt-Geländeworkshops zum Thema Granit besucht. Durch die Museumsammlungen führte uns Anja Köhler, eine zierliche und energische Frau, deren Vortrag derartig überwältigend war, dass Sie bald Interesse von wirklich Allen weckte. Man konnte merken, dass Ihr das Thema am Herzen liegt, Sie erzählte über die schwere Arbeit im Steinbruch als würde Sie das Museum nur kurz während der Schichtpause besuchen. Wir haben Sie deshalb um ein Gespräch gefragt, uns interessierte die Frau, deren Leidenschaft die Geologie und ein längst geschlossener Steinbruch ist…


Wie kommt eine junge Frau zur Geologie?
Ich habe mich schon in der Schule für Geologie interessiert und hatte eine kleine Steinsammlung. Allerdings muss ich gestehen, war die Geologie nicht das oberste Interessengebiet, sondern eines von vielen. Als ich dann mit dem Studium der Museologie (Museumswissenschaften) fertig war, bekam ich eine Stelle in meiner Heimat, im Landkreis Görlitz, beim Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund. Zum Museumsverbund zählen das Dorfmuseum Markersdorf, das Ackerbürgermuseum Reichenbach, das Schloss Krobnitz und das Granitabbaumuseum Königshainer Berge. Als 2010 der Verantwortliche für das Granitabbaumuseum Königshainer Berge in Rente ging, meinte mein damaliger Chef, dass ich die perfekte Besetzung dafür wäre. Man kann also sagen, dass es eher Zufall war, dass ich bei der Geologie hauptberuflich gelandet bin. Aber in unserem Museum geht es um viel mehr, als um Geologie.

Das Museum ist mit Liebe zum Detail eingerichtet, könnten Sie beschreiben, wie es entstanden ist?
1995/96 wurde das Granitabbaumuseum Königshainer Berge vom Heimatverein Königshain und interessierten Steinarbeitern gegründet. Es war die Ergänzung zum bereits seit 1992 bestehenden Natur- und Steinbruchlehrpfad. Anfangs spielte die Geologie überhaupt keine Rolle im Museum. Es ging vielmehr um die Verarbeitung des Granits, der in Königshain zwischen 1844 und 1975 geschlagen worden ist. Da ehemalige Steinarbeiter an der Gestaltung des Museums mitgearbeitet haben, sind viele Objekte dort gelandet, die einen persönlichen Bezug haben.

War es schwierig, die vielen Exponate zu beschaffen?
Als ich 2010 das Museum übernahm, war die Ausstellung schon recht veraltet, da seit der Museumsgründung 1995/96 nichts mehr daran gemacht worden ist. Auch die historische Forschung war nicht mehr auf dem neuesten Stand und längst nicht alle verfügbaren Quellen waren ausgewertet worden. Also habe ich mich daran gemacht, eine neue Dauerausstellung zum Bereich des Soziallebens der Steinarbeiter zu konzipieren. Diese wurde 2012 eröffnet. Hierbei kam mir zugute, dass mein Großvater selbst Steinarbeiter in Königshain war und ich deshalb viele Steinarbeiter seit meiner Kindheit kannte. Unterstützung erhielt ich auch von den Hilfskräften im Museum, die alle aus Königshain stammen und so viele Türen öffnen konnten. Auf diesen Wegen kamen auch viele der Exponate, die heute im Museum zu sehen sind, ins Haus. Ein Teil der Objekte lag viele Jahrzehnte bei Leuten auf dem Dachboden und erst aufgrund der Neugestaltung der Dauerausstellung haben sie wieder an die Stücke gedacht und diese dann oft als Schenkung, teilweise auch als Leihgabe ins Museum gebracht.
2013 folgte dann der zweite Teil der Dauerausstellung, der sich mit der Geologie der Königshainer Berge beschäftigt. Dieser Teil wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Senckenbergmuseum Görlitz gestaltet. Auch ein Großteil der Objekte kommen aus dem Senckenbergmuseum, da wir selbst leider gar keine geologische Sammlung haben. Das war bis 2013 einfach kein Sammlungsschwerpunkt des Museums. Die Dauerausstellung „Geologie in den Königshainer Bergen“ beschäftigt sich mit dem Königshainer Granit, der in 2 Sorten vorliegt: der blaue und der gelbe Granit. Wir erläutern die Entstehung und zeigen auch, welche granitischen Gesteine sich rund um die Königshainer Berge befinden. Diese werden allgemein immer als Lausitzer Granit bezeichnet, obwohl sie eigentlich Granodiorit sind. Außerdem können sich die Besucher selbst als Granitbestimmer versuchen. Verschiedene Lausitzer Granodiorite und Granite liegen bereit, um mit der Lupe untersucht und bestimmt zu werden.
Die Großgeräte, die auf dem Gelände und dem Lehrpfad zu sehen sind, kommen ursprünglich nicht aus Königshain bzw. nur ein oder zwei davon. Diese Großgeräte wie Steinsägen, Laufkatzen, Kipploren etc. kommen aus Demitz-Thumitz bzw. Löbau und waren dort nach der Schließung der dortigen Unternehmen übrig. Sie sollten verschrottet werden. Das wollte der damalige Museumsleiter nicht zulassen und hat sie nach Königshain geholt.
Also, ja, man kann sagen, es war einigermaßen schwierig Objekte für das Museum zu beschaffen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass nach der Schließung der Steinbrüche 1975 alles verschrottet bzw. entsorgt wurde, was in Königshain zum Steinbruchbetrieb gehörte. Das betraf Maschinen ebenso wie Aktenmaterial.

Ich war von der Geschichte Ihres Opas angetan, haben sie ihm noch bei der Arbeit miterlebt?
Mein Opa war seit 1955 im Steinbruch tätig. Er stammte aus Laurahütte/ Siemanowice in Oberschlesien und kam nach langer Gefangenschaft in Rußland und unter enormen Schwierigkeiten Mitte der 1950er Jahre nach Königshain, wo schon der Rest seiner Familie lebte. Bis 1975 war er in den Königshainer Steinbrüchen als sogenannter Spalter und Bohrer tätig, d.h. er hat am Pressluftbohrer gearbeitet. Bis Anfang der 1980er Jahre hat er dann in den Steinbrüchen in Arnsdorf gearbeitet. Ich bin geboren worden, als mein Opa bereits Rentner war, habe ihn also nicht mehr selbst im Steinbruch erlebt. Aber natürlich waren die Steinbrüche immer ein Thema. Meine Großeltern haben bis 1994 in einem Steinbruchhaus gewohnt. Die Steinbruchbetriebe hatten Werkswohnungen, die für die Steinarbeiter da waren. In einer solchen Wohnung ist meine Mutter und teilweise auch ich aufgewachsen. Sie lag in unmittelbarer Nähe zum Steinbruchgebiet und so waren die Steinbrüche immer ein Teil meines Lebens. Meine Großeltern waren mit vielen Steinarbeitern befreundet und so gehörten Geschichten vom „Bruch“ immer mit dazu. Heute bin ich über jedes Bild auf dem mein Opa ist, das ich finde glücklich.

Hat er Ihnem noch zeigen können, wie man per Hand einen Pflasterstein haut? Haben Sie es mal ausprobiert?
Da mein Opa kein „Hundlschläger“, als Pflastersteinschläger war, konnte er das auch nicht. Eigentlich war er ausgebildeter Ofensetzer und hat den Beruf des Steinarbeiters ergriffen, weil es in Königshain keine andere Arbeit gab. Er war also quasi „ungelernt“. Pflastersteinschläger lernt man nicht einfach, das ist eine Berufung und viele Familien haben das über Generationen ausgeübt. Ich habe schon oft versucht, Granit zu spalten, scheitere aber immer kläglich daran. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich kein Geologe bin, sondern Museologe – wir erhalten Dinge und machen sie nicht kaputt 😉

Im Leben der früheren Generationen spielte Natur und auch Gestein eine wichtige Rolle. Interessiert es heute noch jemanden?
Ich denke schon, dass die Themen Natur und Gestein immer noch wichtig sind und auch wieder mehr Menschen interessieren. Wir haben im Jahr etwa 1.000 bis 1.500 Besucher, was für uns sehr gute Zahlen sind. Immerhin haben wir nur zwischen Mitte/ Ende April und Ende Oktober geöffnet. Vor allem Schulklassen kommen zu uns, um etwas über die heimische Erdgeschichte zu erfahren und über die schwere Arbeit im Steinbruch. Dabei sind es nicht nur Grundschulklassen, sondern auch Oberschulen und Gymnasien. Aber auch viele Erwachsene kommen und sind immer wieder sehr beeindruckt, was Arbeit früher bedeutete. Das ist das schönste an dieser Arbeit: zu sehen, wie sich anfängliches Desinteresse in Interesse wandelt.

Das Granitabbaumuseum Königshainer Berge ist geöffnet Mi – Fr 10.00 – 14.30 Uhr und Sa/ So/ Feiertags 14.00 – 17.00 Uhr

Besucheranschrift:
Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund gGmbH
Granitabbaumuseum Königshainer Berge
Dorfstraße 163b
02829 Königshain

Postanschrift:
Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund gGmbH
Elisabethstraße 40
02826 Görlitz

Foto: Pavla Růžičková