NEWSLETTER 01/2018

Von Kurort Lázně Kundratice über verschwundene Dörfer bis zum Felsentheater

Unser Ausflug beginnt in Lázně Kundratice – einem Kurort, der ungefähr 1 km südwestlich vom Ort Osečná liegt. Die Ortschaft wurde durch die Bäder berühmt, eine der ältesten in der Tschechischen Republik, die zur Heilung des Bewegungsapparates auch das traditionelle schwefel-eisenhaltiges Moor nutzen. Außer des Kurortes fällt sicherlich auch der Teich auf, an dessen Ufer oft die Biberratten zu sehen sind. Südöstlich vom Teich liegt der Mannswald, den wir auf Knüppeldämmen durchqueren und vorübergehendes Torfmoor mit Birkengehölz bis feuchten Erlengehölz bewundern können. Ein schöner Stopp ist auch die Aussicht des Müllers Enterich. Aus Lázně Kundratice begeben wir uns an der kleineren Asphaltstraße zum Süden – nach Podvrší, wo wir rechts abbiegen. Hier haben wir uns den rotmarkierten Wanderweg angeschlossen. Wir folgen den Weg ungefähr 0,5 km in Richtung Westen und dann biegen wir links ab – auf den Weg zur Aussicht Krásná vyhlídka. Der Weg zur Aussicht ist etwa 1 km lang und ist es wirklich wert. Aus Krásná vyhlídka eröffnet sich nämlich eine Aussicht vom Ralsko bis zum Malý Ještěd. Wie an der Hand sehen wir Chrastenský vrch, Děvín oder Hamerský Špičák, Berge, die an vulkanischen Adern entstanden sind, sowie auch den Sandsteintafelberg Široký kámen.

Die Aussicht Krásná vyhlídka an sich ist eine Sandsteinfelsenlandzunge und hat die Gestalt einer zweistufigen Terrasse getrennt durch zwei markante Felsen. Nachdem wir die Aussicht genossen haben, gehen wir denselben Weg zurück, aber nach zirka 400 m, als der Weg nach links führt, biegen wir rechts ab. Auf einem kleineren Pfad kommen wir nach 400 m in einen Sattel zwischen Ocasovský und Lázeňský vrch. Dann gehen wir immer geradeaus, in die Richtung des ehemaligen Dorfes Holičky (Hultschken). Holičky war eine Ortschaft, in der z.B. im Jahre 1924 ganze 152 Bewohner lebten. Im Dorf standen 35 Häuser, unter anderen zwei Gasthäuser, ein Geschäft mit Wildlederware, eine Schmiede oder eine Tischlerei. Wir gehen aus Holičky auf der Asphaltstraße nach Westen. Zuerst über geräumige Weiden, bis wir etwa nach 600 m den Wald erreichen. In diesem Wald, ca. 0,5 km vom Berg Kalich (439 m), ist auch ein alter Brunnen, aus deren die Einwohner eines weiteren verschwundenen Ortes Wasser trugen – aus Černé Noviny (Schwarzwald). Der Brunnen ist aus Sandsteinquader, hat eine Gewölbedecke und über den Eingang ist die Jahreszahl 1858 gemeißelt. Zu Zeit ist der Brunnen leider ausgetrocknet.

Wir wandern weiter auf dem Weg nach Nordwesten, treten aus dem Wald heraus und nach einigen hundert Metern biegen rechts ab – zum Felsentheater. Dieses im Wald verstecktes Felsenstädtchen ist nicht zu übersehen. Es handelt sich um Felsen, die im Halbkreis stehen und beim Blick von oben an ein echtes Felsenamphitheater erinnern. Die größte hiesige geomorphologische Merkwürdigkeit ist ein echtes Felsentor in einem der Felsenblöcke. Das sogenannte Schwarzwaldstor erinnert an das verschwundene Dorf Schwarzwald (Černá Novina), welches in der Nähe lag. Das Felsentor ist 3,5 m breit, 2 m hoch und die Stärke des perforierten Felsenblocks ist etwa 1,5 m. Es ist aber nicht die einzige Merkwürdigkeit im Felsentheater. Ein weiterer geologischer Leckerbissen sind die sgn. eiserne Balken, deren Gestalt an wirkliche versteinerte Bäume erinnert. Es handelt sich um stark ferritisch zementierte Sandsteine. Wir können hier weiter Salzblumen, Spuren der Bioerosion (Gänge der solitären Bienen) oder wesentlich grobkörnigen Sandstein bewundern.

Vom Felsentheater folgen wir den grünmarkierten Wanderweg nach Norden. Nach 1,5 km kommen wir zur Kreuzung unter Děvín. Wer noch bei Kräften ist, kann auch den Berg Děvín steigen – zur Burgruine aus dem 13. Jahrhundert. Bei dem Weg zur Burgruine ist eine weitere große geologische Merkwürdigkeit zu bemerken. Bis auf die Erdoberfläche kommt hier die echte vulkanische Ader und wir können den Kontakt mit umliegenden Sandsteinen bewundern. Die rote Farbe der Sandsteine beweist einen hohen Eisenanteil. Auf dem Kontakt der vulkanischen Ader sehen wir auch den Eingang in einen der Děvín Stollen, in denen früher Eisenerz gefördert wurde. Wer keine Kräfte übrig hat, der kann sofort auf den rot markierten Weg von der Kreuzung unter Děvín nach Nordwesten gehen, an den Děvín Teich vorbei und weiter zum Chrastenský Wasserfall (ca. 2 km). Dieser Wasserfall entstand nach den Daten des Touristenklubs KČT im 16. Jahrhundert durch Ablenkung eines Teils des Flusses Ploučnice (Polzen) in den Hamer Teich. Der Wasserfall, oder eher eine Kaskade, ist einige Meter hoch. Vom Wasserfall gehen wir auf den roten Wanderweg weiter nach Osten, bis wir nach weiteren 2 km nach Podvrší kommen, wovon es nach Lázně Kundratice nur noch ein Stückchen ist.

1 Sandsteinlandeszunge Krásná vyhlídka.

2 Schwarzwaldtor im Felsentheater.

3 Wasserfall Chrastenský.

Text und Foto: Dominik Rubáš