NEWSLETTER 01/2018

Wie entsteht eine Landkarte?

Eine Karte ist, der Definition nach, eine verkleinertes und vereinfachtes Bild Objekte und Erscheinungen auf der Erde, das auf ein Abbildmedium übertragen wurde. Die Karte sollte ein Kartograf in Zusammenarbeit mit weiteren Professionen bilden – mit einem Grafiker und einem Thematiker. Der Thematiker ist die Person, die über externes Wissen zum in der Karte abgebildetes Thema verfügt und ist für den Inhalt der Karte verantwortlich. Der Kartograf dagegen ist für die technische Ausführung der Karte zuständig samt einhalten der Regeln, die die Karte erfüllen soll.

Das Bedürfnis Karten zu bilden ist wohl älter als die Schrift. Die Menschen hatten einfach den Bedarf sich die Orte zu merken, die eine gewisse Bedeutung für sie hatten. Wann genau die ersten Karten entstanden sind, kann man nicht bestimmen. Wahrscheinlich die Weltälteste erhaltene „Landkarte“ stammt aus der Zeit der Mammutjäger (25 000 v. Ch.). Ein Mammutstoßzahn, in den die Karte geschnitzt ist, wurde im südmährischen Pavlov gefunden. Obwohl wir nicht viel über die ersten Schritte der Kartografie wissen, die zeitgenössische Kartografie entwickelt sich stürmisch Hand in Hand mit der Entwicklung der Computertechnologien. Überwiegende Mehrheit der heutigen Kartenproduktion wird mit Hilfe spezialisierten Programme in Computern hergestellt. Kartografie wurde somit ein Teil der sgn. geografischen Informationssysteme (GIS).

Was bedeutet GIS? Es handelt sich um ein Komplex der Programme, Prozesse, Technologien und Menschen, die eine Verwaltung, Analyse und Visualisierung der räumlichen Daten (Daten, die eine Information über einen Standort im Raum tragen) ermöglichen. Und gerade diese drei grundlegenden Schritte, die GIS ermöglichen, braucht man bei der Herstellung einer Landkarte. Zuerst muss man die Daten gewinnen, diese mit Hilfe der Raumanalysen aufbereiten und zum Schluss in die Gestalt einer Karte visualisieren. In unserem Projekt kann man dort und da auf eine Karte antreffen. Eine davon ist die geologische Landkarte der Euroregion Neiße (ERN), die man an unseren Webseiten oder an der Innenseite der Projektmappe vorfindet.

Wie wurde diese Landkarte vorbereitet? Es dauerte wohl länger, als der Leser erwarten würde. Der Beginn einer Landkarteproduktion ist eine Planung der Kartengröße, womit auch der Maßstab der Karte, der Entwurf der weiteren Kompositionselemente wie Legende oder Überschrift der Karte zusammenhängen.  Von dem Maßstab der Karte, der deren Ausführlichkeit bestimmt, wickelt sich die Planung des Karteninhaltes ab. Erst dann folgt die Suche der Geodaten, die unsere Landkarte „auffüllen werden“. Unsere deutschen Kollegen aus dem Senckenbergmuseum haben uns Daten über die Geologie des Mehrheitsanteil des ERN bereitgestellt. Es waren tausende an sich anschließende, nach dem Gesteinstyp in mehr als 250 Kategorien aufgeteilte kleine Flächen. In so großer Zahl der Kategorien würde sich der Kartenleser nur sehr schwierig orientieren. In diesem Punkt musste ein Thematiker in die Kartenproduktion eintreten, dessen Aufgabe es war die Kategorien bis zur Endzahl 31 zu gruppieren. Weiterer Schritt war die Anpassung dieser Daten in eine Form, die den Grenzen der Euroregion entsprechen würde. Die überlappenden Teile wurden abgeschnitten. Im Gegenteil stellen, an denen die Daten für die Euroregion fehlten mussten aus den öffentlichen Quellen „nachgezeichnet“ werden. Die bereitgestellten Daten wurden für eine Karte mit detaillierterem Maßstab hergestellt, als die Karte in Produktion. Aus diesem Grund war es nötig die Daten zu generalisieren – deren Formen vereinfachen und die Flächen, die so klein waren, dass sie nach Druck nicht zu sehen sein würden, mit größeren angrenzenden Flächen zusammenführen. Obwohl wir in der Zeit der Computer und „cleveren Technologien“ leben, wird dieses Prozess mehr oder weniger mit der Methode Versuch/Fehler mehrmals wiederholt, denn es gibt keine einzige richtige Lösung. Jeder Kartograf hat ein anderes Empfinden und andere Wahrnehmung und ist somit mit anderem Resultat zufrieden als ein anderer Kartograf an seiner Stelle sein würde. Ein großer Prüfstein der ganzen Arbeit, wegen dem mehrere Testdrucke gemacht werden mussten, war das Zuordnen der Farben zu einzelnen Kategorien so, damit die Gewohnheiten respektiert und die Farben voneinander unterscheidbar wurden. Obwohl das menschliche Auge tausende Farben unterscheiden kann, die Drucker sind bei weitem nicht so vollkommen. Außerdem muss man die Gewohnheiten der gegebenen Fachrichtung respektieren. Zum Beispiel in der tschechischen Geologie ist es Brauch die Kreideformationen mit Abschattierungen von Geld und tertiäre Vulkanite mit Abschattierungen von Lila kennzeichnen. Der Kartograf darf diese Farben nicht nach seinem Bedenken ändern, denn der Leser könnte das in der Karte falsch lesen und somit inkorrekte Informationen bekommen. Zum Schluss, damit die Karte mehr plastisch wirkt, wurde in die Karte ein schattiertes Terrainrelief eingebettet. Danach konnten schon die restlichen Kompositionselemente wie Legende, Maßstab oder Überschrift beigefügt werden.

Wie man sieht, ist die Arbeit eines Kartografen auf keinem Fall langweilig und monoton. Vielleicht wurde einer oder anderer von euch Lesern überrascht, womit all der Kartograf bei der Arbeit an einer Karte fertig werden muss. Jede Ausgabe muss man einzigartig, handwerklich um mit Vision eingehen, wem und wozu die Karte dienen soll.

1./ Erstes Abbild der geologischen Daten und deren Zuschnitt nach den Grenzen der Euroregion (ERN). Man sieht die Flächen, die mit Daten aus anderen Quellen zu füllen sind, damit das ganze Gebiet bedeckt wird.

2./ Erster Entwurf der Karte. Die Region von Interesse wurde mit fehlenden Daten zur Geologie ergänzt. Einzelne Flächen wurden in eine geringere Anzahl der Kategorien aggregiert. Manche zu winzige Flächen wurden in anliegende Flächen eingegliedert. Die Farben der einzelnen Kategorien wurden an Hand der geologischen Gewohnheiten gewählt. Zum Schluss wurde ein schattiertes Relief hinzugefügt, der die plastische Wirkung der Karte steigert.

3./ Finale Landkarte. Nach grafischer Bearbeitung und Beifügung weiterer Kompositionselemente – Titel, Legende, Maßstab, Logo.

 

Text und Ilustration: Adam Pátek